George, ELBA und viele andere Banking-Apps mit LineageOS nutzen

Update 18.09.: Potentiell beleidigende Begriffe wurden entfernt.

Ich mag aus Prinzip kein Stock-Android. Die Updates kommen erst irgendwann, die Entwicklung wird nach Indien und in andere Niedriglohnländer ausgelagert und die spionierenden Google-Play-Services möchte ich gar nicht erst in meine Nähe lassen.

Nun gibt es damit ein kleines Problem, leider benötigen immer mehr Apps das sogenannte „SafetyNet„, welches für Sicherheit unter Android sorgen soll. Wo es Menschen in der Entwicklung gibt, existieren auch Fehler und Backdoors, somit war es bis jetzt ein leichtes, diese Einschränkungen zu umgehen.

Mir persönlich war auch nie klar, warum Banken dieses Sicherheitsfeature benötigen. Wenn ihr Backend gut ist, kann ich selbst mit den umfangreichsten Rootrechten nichts hacken. Das Online-Webbanking hat sogar größeren Funktionsumfang, aber hier kann ich nach belieben in der JS-Konsole rumfuhrwerken. Aber wehe ich will keine Google-Dienste haben und bin mit LineageOS auf einem besseren Sicherheitsstand wie Stock …

Apropos Google, die lösen halt Sicherheitsprobleme auf ihre Art und Weise. Sie kaufen den Entwickler von Magisk einfach auf, welcher dann aus „jobtechnischen“ Gründen dann natürlich nicht mehr an dem Tool weiterarbeiten kann. Wirkt wie der Novomatic-Deal mit der Glawischnig, wo man sich auch irgendeinen unnötigen Posten ausgedacht hat. (Die Tagespresse konnte die Wahrheit nicht toppen)

Beinahe 5 Jahre nach der Wahl von Donald Trump kommt nun das erste positive Resultat auch zu mir: Der Trump-Huawei-Bann.

Nun kommen wir der Sache schon näher: Durch dieses Dekret darf Huawei keine Google Play (Services) mehr ausliefern. Das brachte den berühmten Geräte-Hersteller unter Zugzwang und somit wurde die Huawei AppGallery geboren.

Auch die österreichischen Banken (übrigens auch Netflix), welche unter Android nur bei Google Play vertreten waren, mussten in der AppGallery neu releasen. Mit einem Vorteil:

Ohne Google Play kein SafetyNet

Somit verfügen die Builds im Huawei-Store über keine SafetyNet-Abfrage, da diese unter den Huawei-Handys gar nicht funktionieren würde. Leider gibt es trotzdem ein paar Einschränkungen:

  • (George-only) Die gewünschte App muss direkt von der Huawei AppGallery heruntergeladen werden
  • (George-only) Die AppGallery darf auch nach der Installation nicht entfernt werden, aber alle Prozesse abwürgen & Berechtigungen entfernen ist okay.
  • Die meisten Apps scannen trotzdem nach SuperSU oder Magisk, somit muss zumindest die App unauffindbar gemacht werden (unbenennen des Paketes etc.). Falls das Gerät nicht gerootet ist, kein Problem.

Doch das Endresultat überzeugt: Die Banking-App funktioniert endlich wie gewünscht und so leicht hat man noch nie knallharte Crypto überlistet. Währenddessen man tausende Android-Benutzer mit SafetyNet-Abfragen nervt, kommt man als vermeintliches Huawei-User einfach ohne irgendwas durch.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Dafür sorgen, dass Magisk/SuperSU nicht erkannt werden kann (Magisk Hide, unrooten, …)
  2. Huawei App Gallery herunterladen
  3. App Gallery ausführen, aber keine Berechtigungen außer die App-Installation freigeben
  4. Gewünschte App suchen:
    1. George (tested)
    2. ELBA (shows warning, works)
    3. BAWAG (not tested)
    4. Bank Austria (works)
    5. weitere Banken (oder selbst suchen)
  5. App über die AppGallery installieren
  6. Dem Schorsch eins Auswischen!

Ich habe außer dem George nichts genau durchgetestet, aber hier funktioniert alles inklusive „Zahlen mit dem Handy“. Ich freue mich über etwaige Erfahrungsberichte per Mail (würde ich dann hier ergänzen) oder in den Kommentaren drunter.

Die Betonierer am Werk – „Entlastungsspange B3“

Manchmal ist man schon ein armer Hund – da lest man sich einmal den neuen Flächenwidmungsplan durch und man stößt wieder auf eine komplett hirnrissige Idee. Das gibt’s doch gar nicht, dass im Jahr 2021 in Krems noch immer die 60er-Jahre vorherrschen.

Gerade haben wir eine Hitzewelle hinter uns, die uns gezeigt hat, wie sehr sich eine zubetonierte Stadt aufheizen kann – aber in Krems lernt man bekanntlich nicht aus seinen Fehlern.

Worum gehts?

Geplante Spange B3 in Krems-Stein

Offensichtlich ist man bei der Stadt Krems und/oder der Landesregierung unglücklich über die Doppelkreisverkehre in Krems, welche insgesamt einen Verkehr von 18.000 Autos/Tag (Nördlicher Kreisverkehr) und 19.000 Autos/Tag (Südlicher Kreisverkehr) aufweisen. Dazu hat man drei Varianten untersucht, bei denen natürlich die Variante ohne Verkehrsberuhigung als Umsetzungsvariante in Betracht gezogen wurde. Kann man ja sich nicht ausdenken, wenn der Platz nicht mehr schirch wäre, da könnte ja die „Freie Fahrt für freie Bürger“ beeinträchtigt werden.

Zu Stoßzeiten kommt es hier schon einmal zu Wartezeiten von ein paar Sekündchen, daher will man hier Abhilfe schaffen und eine Spange bauen, welche die Kreisverkehre um prognostizierte 1500 Autos „entlasten“ wird. Das löst weder ein Stauproblem, noch macht es die Relation schneller, da ja eine neue Ampel geplant wird. Dies bremst natürlich die schwächsten Verkehrsteilnehmer aus und somit wird der Weg für mich als Fußgänger langsamer, während er für die Autofahrer vielleicht schneller, aber wahrscheinlich gleichbleibend wenn nicht sogar langsamer wird.

Rein rechnerisch gesehen kann laut dem Gutachten der Doppelkreisverkehr um etwa 10% entlastet werden, aber nur, wenn die Fußgänger dann von diesen verbannt werden und in eine Brücke oder Unterführung gequetscht werden. Wie in den 70er Jahren versucht man, die „störenden“ Teilnehmer, welche einem beim Autofahren „hindern“, in den Untergrund zu verlagern, während dem Auto der Blick auf die Wachau gegönnt wird.

Es macht überhaupt keinen Sinn, 1250 m² für ein paar Spitzenzeiten zu verbauen, der Zeitverlust für den MIV ist hier sowieso nie mehr als wie eine Minute. Stattdessen ist zu befürchten, dass durch mehr Kapazität noch mehr Verkehr erzeugt wird, was allgemein bekannt ist.

Warum der Yachthafen (links oben ist der Hofer) einen eigenen Anschluss bekommt, wird ein Mysterium bleiben. (Kein besseres Foto verfügbar)

Weiters wird eine Abfahrt (nur von Richtung Wachau) zur Yachthafenstraße vorgesehen, die ist sowieso komplett sinnlos, aber das ist ein Kriterium für Verkehrspolitik in Krems.

Alternative Vorschläge

In dem Gutachten wurde gar nicht berücksichtigt, dass man den Verkehr durch öffentliche Verkehrsmittel wesentlich verringern könnte, etwa mit einer Wiederbelebung der Wachaubahn bspw. durch Elektrifizierung und Durchbindung der Kremser REX direkt nach Spitz. Das würde Mut und Innovationskraft vorraussetzen, in Krems betoniert man lieber eine unnötige Spange.

Baut man die Verkehrswege nicht mehr aus, ist irgendwann eine Belastungsgrenze erreicht, bei der auf andere Verkehrswege umgestiegen wird. In Österreich sind 50% aller Autofahrten kürzer als zwei Kilometer, auch hier muss man die Fuß- und Radmobilität fördern statt wieder mehr Straßen für mehr Verkehr zu bauen, was bekanntlich nicht funktioniert.

Mein Vorschlag ist es, den gesamten Bereich außer die B3 zu beruhigen, bei der die Fußgänger diese mit einer Ampel kreuzen können. Der restliche Bereich ist rückzubauen und zu begrünen, was automatisch zu weniger Verkehr führt. Weiters sollte statt der Fußgängerverkehr der Autoverkehr in den Untergrund wandern, das würde auch die permanente Lärmbelastung von 70 dB reduzieren.

Stellungnahme

Um meine Bedenken auch der Stadt Krems mitteilen zu können, die meinen Blog vermutlich nicht liest (macht ja sonst auch niemand), verfasste ich eine Stellungnahme. Hier stehen auch noch weitere Begründungen für die Ablehnung des Projektes.

Links

Flächenwidmungsplan (Spange ab Seite 29)

Gutachten

Informationen zur Verkehrswende:

Landesnaturschutzverband Baden-Würtemberg

Straßen und Plätze neu denken

Warum neue Straßen mehr Stau verursachen

Typisch Krems: Betonieren, Sudern und Busse verunglimpfen

Nach langer Pause muss ich mich mal wieder zu Wort melden: Was die Kremser ÖVP derzeit aufführt, ist mir nicht mehr wuascht.

Da macht die SPÖ einmal etwas vernünftiges wie eine enorme Ausweitung der Öffentlichen Verkehrsmittel und wieder sudern alle. Krems ist eine Autostadt oder soll das zumindest bleiben, wenn man den Wortmeldungen der „Volkspartei“ glauben darf.

Die Prioritätsliste der Stadt Krems in Sachen Mobilität (direkt von der Website kopiert)

Das fängt schon damit an, dass auf der ganzen Website der Stadt Krems kein Wort zum Bahnhof Krems und der Anbindung dessen fällt. Dafür wird einem weit und breit erklärt, wie und wo man in der Stadt parken kann. Da braucht man sich dann nicht wundern, wenn die Touristen und ArbeitnehmerInnen dann die ganze Stadt vollparken.

Das soll jetzt kein dummes Autobashing sein, aber eine Stadtregierung, die im Jahr 2021 noch neue Parkplätze baut, darf man wohl in Hinsicht umweltfreundlicher Mobilität nicht ernstnehmen. Traurig genug, dass diese Fläche überhaupt leersteht, aber das kann ja wohl keine Lösung sein.

Nun wieder zurück zum Thema: Der Verkehrsstadtrat dürfte wohl eher zur vernünftigen Seite gehören, indem er dieses Projekt erst durchbrachte. Die Busse fahren nun teilweise im 30-Minuten-Takt durch die Stadt und da fällt dann auf, dass viele Kremserinnen und Kremser schon seit Jahren illegal herumstehen.

Man braucht hier nicht lange herumzuphilosophieren: Verkehrsströme gehen immer den widerstandslosesten Weg. Baut man Straßen/Parkplätze/Autobahnen aus, wird es bequemer mit dem Auto zu fahren. Baut man hingegen die Öffentlichen Verkehrsmittel (gut!) aus, werden diese mehr benutzt. Ditto Fahrradinfrastruktur.

Es gibt bereits Politiker in der Stadt (sogar von der ÖVP!), die natürlich wissen, dass vor allem in der Stadt kein Platz für immer breiter werdende Autos ist. Was ist die Lösung?

Eine maßgeschneiderte Lösung gibt es nicht!

Es gibt keine einfache Lösung für das Mobilitätsproblem. Wien hat zwar viel Verkehr auf die Öffentlichen Verkehrsmittel umlegen können, dafür hat aber ein milliardenteurer Ausbau über Jahrzehnte sowie viel Kritik in früheren Zeiten schon mehrmals dafür sorgen können, dass dies heute nicht so wäre. Einzelne wenige Unternehmer und Politiker versuchen in Krems seit Jahren, jeglichen Fortschritt zu verhindern.

Die Mobilität in Wien verursacht nur die Hälfte der Emissionen/Kopf wie am Land. Quelle: VCÖ

Dort wo Wien heute ist, muss man in den zentralen Bezirken wie in St. Pölten, Wiener Neustadt als auch Krems erst einmal hinkommen. Hier sind Maßnahmen wie der Öffentliche Verkehr hilfreich, andere wie die Ausweitung des Gewerbegebietes um fast die doppelte Fläche inklusive Waldrodung und neuer S5-Ausfahrt tragen wieder dazu bei, den MIV zu verstärken.

Der Flächenwidmungsplan weist hier Bauland – Industriegebiet aus. Rechts oben ist eine neue Ausfahrt aus Fahrtrichtung Krems geplant. Quelle: Stadt Krems
Heute sind beim geplanten Erweiterungsgebiet nur Wiesen, Wald und Felder. Satellitenbild: Google

Klar – das Erweiterungsgebiet ist nicht „Natur pur“ und auch kein Naturschutzgebiet, doch bringt eine Erweiterung nur noch mehr Verkehr und Versiegelung. Dies ist nur ein kleines Beispiel, wie hier durch zentrumsferne Firmenansiedelungen Verkehr generiert statt vermieden wird.

Die Medien spielen mit

Jeder Furz der hiesigen Unternehmer (eigentlich nur der Fleischer Graf und ein Honigladen) plus die Autofahrerlobby in Gestalt der ÖVP und FPÖ versuchen hier, obwohl sie bei den Sitzungen für das Projekt gestimmt haben, eine negative Stimmung für das Projekt aufleben zu lassen.

Dazu zählt auch die NÖN, die als ÖVP-nahe-Zeitung hier immer wieder Öl ins Feuer gießt:

Den Gipfel der Blödheit stellt hier „Corona-ist-nicht-so-schlimm“-Fernsehsender Servus TV dar, der im folgenden Video das Ganze in die Lächerlichkeit zieht.

Quelle: Servus TV

Folgende Dinge merke ich aus rechtlicher Sicht der gesamten Diskussion an:

  • Bestandsschutz der bestehenden Verkehrswege: Alte Straßen wie diese in der Innenstadt müssen die Mindestbreite nicht erfüllen, das gilt natürlich nur für Neubauten. Sonst müsste man ja auch die halbe Innenstadt abreissen.
  • §23 StVO , Abs. 1) Der Lenker hat das Fahrzeug zum Halten oder Parken unter Bedachtnahme auf die beste Ausnützung des vorhandenen Platzes so aufzustellen, daß kein Straßenbenützer gefährdet und kein Lenker eines anderen Fahrzeuges am Vorbeifahren oder am Wegfahren gehindert wird.
    • Wenn der Bus nicht vorbeikommt, gilt an dieser Stelle automatisch „Halten- und Parken verboten“
  • §24 StVO, Abs.1 Das Halten und Parken ist verboten …
    • b) auf engen Stellen der Fahrbahn, im Bereich von Fahrbahnkuppen oder von unübersichtlichen Kurven sowie auf Brücken, in Unterführungen und in Straßentunnels,
    • o) wenn Fußgänger, insbesondere auch Personen mit Kinderwagen oder Behinderte mit Rollstuhl, an der Benützung eines Gehsteiges, eines Gehweges oder eines Geh- und Radweges gehindert sind,

Man merke sich, wenn der Bus/Fußgänger/Rollstuhlfahrer nicht am Gehsteig oder auf der Straße vorbeikommt, kann das Auto gar nicht „korrekt abgestellt“ worden sein. Das sollte auch eine Lehre sein für Autos in Übergrößen (SUVs, Hausfrauenpanzer, Stadtgeländewagen, …), welche diese Regelungen auch gerne mit Füßen treten, da ihre Autos breiter sind als die alte Norm und daher nicht in jeden Parkplatz passen.

Das Problem an den oben genannten Regelungen ist, dass sie über Jahrzehnte ignoriert worden sind und hier ein Gewohnheitsrecht eingetreten ist: „Wo Platz ist, kann ich parken“. Das stimmt so nicht! Wo genug Platz für alle anderen Verkehrsteilnehmer auch nach dem Einparken ist, kann ich parken.

Normalerweise braucht man also den ganzen Schilderwald „Halten und Parken verboten“ gar nicht, da es auch ohne Schild illegal wäre. Aber um der Anarchie der Faulheit Herr zu werden, hängt man halt überall Schilder hin …

Conclusio

Der neue Stadtbus ist ein gutes Projekt, hat aber leider noch immer keine Durchgangslinie und auch keinen 15-Minuten-Takt oder Betrieb am Sonntag. Eine eventuelle Straßenbahn rückt in jahrtausendweite Ferne, wenn man die Anfeindungen an den neuen Stadtbus sieht: Der Bus ist schuld, dass ich nicht mehr (illegal!) parken darf. Gratulation ÖVP, Projekt gelungen!

FAQs zu „Aus Liebe zum Menschen“

Ich möchte euch folgende Hintergrundinformationen und ein paar Dinge, die in den ursprünglichen Artikel einfach nicht mehr gepasst haben, nicht vorenthalten.

Ist das einfach ein Rant-Artikel oder hast du einfach nur schlecht geschlafen? Wie kommt man auf die Idee?

Das ist kein Rant-Artikel über das Rote Kreuz oder der Dienststelle in Krems. Ich konnte in den 9 Monaten nichts zum Besseren wenden, was mich sehr frustrierte. Das ist der Versuch, den Dienst für die Nachfolgenden angenehmer und erträglicher zu machen.

Bist du dir sicher, dass das „Früher kommen“ illegal ist?

Unser Vorgesetzter darf uns zwar prinzipiell die Anweisung geben, dass wir früher kommen sollten, jedoch dürfen wir illegale Anordnungen ignorieren. Wie die Dienstzeitverordnung besagt, dürfen wir im Turnusdienst maximal 48 Stunden/Woche arbeiten. Da die reguläre Dienstzeit bereits 48 Stunden beträgt, ist auch 2 Minuten früher kommen nicht legal.

Eine angedrohte Erhöhung auf 50 Stunden oder mehr ist nur in begründeten Ausnahmefällen und begrenzt möglich.

Hast du was gegen deine Vorgesetzten?

Prinzipiell habe ich nichts gegen die (ehemaligen) Vorgesetzten. Durch das permanente Ignorieren unserer Forderungen und Warnungen, dass gewisse Anordnungen illegal sind, haben sie sich jedenfalls nicht mit Ruhm bedeckt.

Hast du Angst vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung?

Dazu wird es nicht kommen, da die Fakten durch unzählige Zeugen belegt sind und die Vorgesetzten auch wissen, dass manche Dinge maximal rechtliche Grauzone sind. (Deswegen gab es auch nie eine schriftliche Anordnung für das „Früher kommen“.)

Wie sieht ein Arbeitsalltag im Krankentransportdienst aus?

Man trifft auf der Dienststelle ein und sucht erst einmal den zweiten, mit dem man an dem Tag im Auto sitzt. Wenn dieser Fahrer ist, ist man selbst Sanitäter und umgekehrt. Dann nimmt man die Schlüssel, Pager (Alarmierungsgerät) und die Dokumentations-iPads und marschiert in Richtung Auto. Wenn man Pech hat, kommt man bis zum Ende des Dienstes nicht mehr auf die Dienststelle und man ist 8 (oder 12) Stunden unterwegs.

Die Kremser können ja nichts dafür, dass die das Gesetz in Tulln/Wien so verpfuschen!

Das ist auch keine dezidierte Schuldzuweisung sondern eine Aufstellung von Problemen und Forderungen. Zu bestimmen, wer diese wie erfüllt oder verbessert, ist nicht meine Aufgabe. Das erklärte Ziel des Artikels ist die Publikmachung von Missständen, ähnlich wie beim Artikel zum Bundesschülerheim.

Wesentliche Probleme auf der Dienststelle sind hausgemacht und nicht von externen abhängig. Die gesamte Situation ist einem reichen Land wie Österreich absolut unwürdig. Und bitte nicht wieder mit „Bei uns war’s auch scheiße!“ und „Jeder muss da durch!“ kommen. Wir sind dazu da, das Leben aller Menschen besser zu machen. Solche blöden Kommentare sind kontraproduktiv.

Das was du sagst stimmt zwar, aber wie sollen wir das sonst machen?

Fast alle Länder der Welt – genauer genommen alle westlichen Länder außer der Schweiz und Österreich – haben den Militärdienst mit gleichzeitigem Ersatz abgeschafft. Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß, möglichst viele schlecht ausgebildete Junge als „Kanonenfutter“ in der Armee zu haben.

Alle Branchen haben sich spezialisiert, genauso wie die Heere und Rettungsorganisationen dieser Welt. Menschen zu etwas zu zwingen, das sie nicht wollen, ist kontraproduktiv. Ich plädiere weiterhin für die Abschaffung des gesamten Dienstes.

Die Freiwilligen spendieren ihre Zeit und du beleidigst sie einfach. Hast du denn gar keinen Respekt?

Natürlich habe ich Respekt vor Menschen, die ihre Freizeit der Rettung anderer Menschenleben opfern. Das ist toll. Nur ist das kein Freifahrtsschein, die Kollegen auf der Dienststelle schlecht zu behandeln, nur weil sie nicht freiwillig, sondern im Rahmen des Zivildienstes fahren. Gäbe es die Krankentransportleistungen nicht, hätten viele ältere Menschen keine Möglichkeit, zu den Ärzten oder zur Dialyse zu kommen. Das ist mindestens genauso wichtig, wie eine qualifizierte und professionelle Rettungsdienstleistung.

Du hast da einen Logik-/Rechtschreib-/Recherche-Fehler! Dein Sachverhalt stimmt nicht oder ist gelogen!

Ich bitte darum, sich bei mir zu melden! Die Kontaktdaten findet ihr im Impressum. Dies gilt natürlich auch für jene, die sich im Artikel angegriffen/beleidigt fühlen.

Hat sich bei dir schon wer gemeldet? Das muss ja Aufsehen erregen!

Stand 25.08.; 12 Uhr: Bei mir hat sich niemand gemeldet.

Aus Liebe zum Menschen: 9 Monate sind genug

Dieser Artikel fasst meinen Zivildienst beim Roten Kreuz Krems zusammen und stellt meine persönliche Meinung dar. Es besteht kein Anspruch auf Neutralität, journalistische Sorgfalt oder andere Leitlinien, die große Medien für sich festlegen. FAQs

0. Einleitung

Ich kann mich noch gut an meinem ersten Tag im Zivildienst erinnern. 01. Oktober 2019. Etwas surreal wirkt die Situation heute: Lange Warteschlangen in Tulln beim ersten Gesundheitscheck, angeordnet von meiner Zivildienststelle: Rotes Kreuz Krems.

Am Nachmittag fuhr ich als nächstes wieder in die Dienststelle zurück, mit einem Paket voll mit Uniform, Formularen und anderen Dingen. Bei meinem ersten Gespräch mit einem zukünftigen Vorgesetzten sprach er von der großen Verantwortung; und ich solle bitteschön den Tag noch genießen, das werde so schnell nicht mehr vorkommen. Womit er vollkommen Recht hatte.

Ich setzte mich zur Donau, mit dem Gefühl, nun 9 Monate im Dienste des Staates zu stehen. 48-Stunden-Woche. 12 Tage Urlaub. Ein paar Hundert Euro im Monat.

Ich war von Anfang an dagegen, zum Bundesheer zu gehen. Ich bin beinharter Pazifist und lehne jegliche Waffengewalt ab. „Die drei Monate mehr beim Zivildienst werden doch nicht so schlimm sein. Ich mach ja etwas Sinnvolles.“ (Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich das die meisten auch vor ihrem Dienst dachten.) Und doch habe ich mich in meinem Leben noch nie so sehr getäuscht.

1. Die Ausbildung

In den ersten Wochen absolviert man die Sanitäterausbildung, welche eine „rudimentäre“ Gesundheitsausbildung darstellt. Ich habe für die anschließende Prüfung mehr oder weniger nichts gelernt und habs beim zweiten Mal auch geschafft.

Auch wenn man während des Kurses schläft, hat man nur selten etwas verpasst, das für den Dienst wirklich wichtig war.

Währenddessen hatte ich durchaus Probleme mit dem Akku meines iPads, 10 Stunden am Tag Zeitung zu lesen war dann doch zu viel und ich musste dann bereits während der Mittagspause wieder aufladen.

Die Ausbildung selbst ist zwar gut gemeint – doch ist sie viel zu wenig, um in einem Rettungseinsatz wirklich etwas machen zu können. Es gibt zwar weiterführende, dienststellenspezifische Ausbildungen, um am richtigen Rettungsauto mitfahren zu dürfen oder vielleicht sogar als Fahrer mit Blaulicht durch die Stadt zu brausen – diese kann man aber erst gegen Ende des Dienstes machen, damit man zuvor noch möglichst lange „Taxler“ für Alte und Kranke spielen darf. Daher kann auch die „einfache“ Fahrerausbildung – der „sicheren Einsatzfahrer“ – bereits recht bald im Laufe des Zivildienstes absolviert werden.

Abgesehen davon war die Ausbildungszeit am Anfang die vielleicht beste Zeit der kompletten 9 Monate: Fixe Arbeitszeiten, freier Samstag und keine dummen Regelungen, wie sie mich später noch erwarteten würden.

2. Auf der Dienststelle

Nun, dass man als Zivildiener wohl nicht zu den höherrangigen Mitarbeitern gehört, scheint wohl jedem halbwegs denkenden Menschen klar gewesen zu sein. Dass der Unterschied aber so gewaltig ist, kann sich wohl kein Außenstehender vorstellen.

Im Prinzip gibt es drei Arten von Mitarbeitern:

  • Zivildiener (yaay!)
  • Hauptberufliche
  • Ehrenamtliche Mitarbeiter („Freiwillige“)

Ich beginne mit den Freiwilligen: Diese leisten in Ihrer Freizeit Fast-Gratis-Arbeit und fühlen sich dabei wie Batman in Rot. Geschirrspülen, Mist wegräumen oder irgendetwas machen, wozu es einen nicht sonderlich „zaht“ („Geh holst uns a Essen vom McDonalds?“) ist nicht cool.
Das dürfen dann die machen, die nicht „Nein“ sagen dürfen (bzw. zumindest nicht sollten). Dem Roten Kreuz sind sie aufgrund der vielen Gratis-Arbeitsstunden heilig und deshalb werden hier auch Personen geduldet, die sich schon einiges geleistet haben. Wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel.

Die Hauptberuflichen haben zuerst einmal meinen Respekt. Wer diese eintönige und langweilige Arbeit freiwillig für diesen Hungerlohn ableistet, macht das wirklich gerne – das merkt man dann auch – oder hat keinen besseren Job gefunden. Leider ist Zweiteres wesentlich öfters vertreten und so muss man sich mit überproportional vielen „Idioten“ herumschlagen.

Das Problem dabei ist, dass zumindest Zivildiener und Hauptberufliche direkte Konkurrenten sind. Wir Zivis sind wesentlich billiger, müssen mehr Stunden arbeiten und haben keinerlei Arbeitnehmerrechte. Dadurch sind auch während der Coronazeit österreichweit aufgrund der vermehrten Anzahl an Zivildienern einige Hauptberufliche auf Staatskosten in Kurzarbeit gesetzt worden. Ob das in Krems so war, kann ich nicht beurteilen – alleine die Konkurrenzsituation ist aber laut Zivildienstgesetz verboten, da ein Zivildiener keine Vollzeitkraft ersetzen darf.

Doch ist das in der Realität nicht doch so?

Das legt das Zivildienstgesetz fest. Es regelt etwa, dass durch die Zuweisung von „Zivis“ keine bestehenden Arbeitsplätze bei Einrichtungen gefährdet sein dürfen. Dass dem nicht überall nachgekommen wird, kritisierte der Bundesrechnungshof bereits im Jahr 2016. In Bericht zum Zivildienst heißt es, dass „der Zivildienst in einigen Bereichen (insbesondere Rettungswesen) in einem Spannungsverhältnis zu der gesetzlich normierten Arbeitsmarktneutralität“ stehe.

addendum.org/zivildienst

Dies führt zu einem gewissen Spannungsverhältnis zwischen Mitarbeitern und Zivildienern. Wobei die Spitze des Eisbergs erst erreicht war, nachdem man im März „freiwillige“ Zivildiener besser bezahlte wie die eigenen Mitarbeiter und die Auftragslage knapp über Null war.

3. Die Missstände

Ich versuche jetzt – trotz aller Emotionalität, die selbst nach fast zwei Monate nach Beendigung des Dienstes stets noch gegeben ist – halbwegs objektiv zu bleiben und die Missstände korrekt wiederzugeben.

3.1 — 30 Minuten geschenkt – jeden Tag!

Es gibt eine „mündliche Regelung“, die es getreu dem Motto „Jedes Schriftl is a Giftl“ niemals auf ein Papier geschafft hat:
Jeder Mitarbeiter hat sich bereits mindestens 15 Minuten vor Dienstbeginn auf der Dienststelle vorzufinden.
Manche sind daher bereits 30 – 45 Minuten vorher da.

Der Grund: Das Auto, in dem man die nächsten 8 Stunden verbringen wird, muss auf Vollständigkeit der Ausrüstung kontrolliert werden (obgleich die vorige diensthabende Mannschaft außerdem etwaigen Verbrauch wieder aufzufüllen hätte).

Nun, für mich war von Anfang an klar, dass ich hierfür nicht meine Freizeit opfern werde. Und wenn ich die Kontrolle schon mache, dann in der Dienstzeit. Für meine rechtmäßige Meinung hatte ich 9 Monate extremen Gegenwind und viele „klärende Gespräche“ und Ermahnungen.

Man wollte partout nicht davon lassen. Und auch alle neuen Zivildiener leisten hier blinden Gehorsam. Heute würde ich nicht mehr darüber diskutieren, sondern dies einfach bei der Bezirkshauptmannschaft anzeigen.

Tipp für alle momentanen Zivildiener: Bitte checkt das mit der Dienstzeit ab. Ihr müsst in eurer Freizeit nicht arbeiten!

Die Höhe war dann jener Tag, an dem ich ein Gespräch hatte, weil ich nicht aus heiterem Himmel 30 Minuten früher in den Dienst gekommen war und deshalb ein Patient im Auto wartete. Erstens konnte ich dafür nichts und zweitens ist es doch rechtens, pünktlich zu kommen. Die angedrohten rechtlichen Schritte blieben natürlich aus – die Dienststelle schießt sich ja nicht selbst ins Knie.

Ich recherchierte anschließend über die gesetzlichen Grundlagen des Zivildienstes und die Rechtmäßigkeit dieser Anordnung.

§ 4. (1) Die wöchentliche Dienstzeit hat mindestens der Zeit zu entsprechen, die nach den jeweils maßgeblichen Vorschriften für die mit im wesentlichen gleichartigen Dienstleistungen Beschäftigten der Einrichtung (Einsatzstelle) vorgesehen ist, und darf grundsätzlich 45 Stunden nicht überschreiten. Sie ist möglichst gleichmäßig auf die Arbeitstage aufzuteilen.

„grundsätzlich“ … Wir hatten grundsätzlich 48 Stunden

(3) Im Falle eines Turnusdienstes kann die zulässige maximale Wochendienstzeit nach Abs. 1 bis zum Ausmaß von drei, jene nach Abs. 2 bis zum Ausmaß von zwei Stunden überschritten werden. Die Dienstzeit muß aber innerhalb eines achtwöchigen Zeitraumes so verteilt sein, daß sie im wöchentlichen Durchschnitt die nach Abs. 1 und 2 zulässige maximale Dienstzeit nicht überschreitet.

Meiner Interpretierung nach heißt das, dass wir im 8-wöchigen Zeitraum auf 45h stehen müssen.

50 Stunden sind nur erlaubt, wenn „regelmäßig und in erheblichem Umfang Arbeitsbereitschaft fällt“. Das ist bei uns nicht der Fall gewesen, leider ist hier die Verordnung viel zu schwammig.

Natürlich wehrte ich mich gegen diese widersprüchliche, interne Regelung und wollte sie zu Fall bringen. Das schaffte ich zwar nicht, aber ich konnte zumindest ein paar Kollegen dazu bringen, mir es gleichzutun und erst zum vereinbarten Dienstbeginn zu erscheinen.

3.2 Umgang mit Zivildienern

Der nächste schwere Kritikpunkt ist die Tatsache, wie mit Zivildienern in der Dienststelle umgegangen wird. Es soll an anderen Dienststellen besser sein, in Krems war es jedoch zum Fürchten.

Um uns bestmöglichst von den anderen, „normalen“ Mitarbeitern zu trennen, gab es ein Zivikammerl – zynisch auch „Aufenthaltsraum Nord“ genannt. Wir durften zwar den Raum mit den „normalen“ Mitarbeitern betreten, doch gab es ein ungeschriebenes Gesetz, dass wir uns „bitte sehr!“ in unser Kammerl zurückziehen sollten. Dies wurde durch strenge Blicke und blöde Kommentare von den Kollegen im „Aufenthaltsraum Süd“ stets unterstrichen.

Hier läuft der Fernseher vor 15 Uhr. Ob der Papa uns da jetzt den Popo aushaut?

Es ist verboten, den Fernseher vor 15 Uhr aufzudrehen. Keine Ahnung warum. Angeblich da sonst in der Früh keiner den Müll rausträgt. Das gilt aber nur für Zivildiener – die Freiwilligen und Hauptberuflichen dürfen das im anderen Raum natürlich rund um die Uhr.

Kleinigkeiten, wie das Nachräumen des Geschirrs und das Müllraustragen summieren sich nach 9 Monaten zu einem richtigen Frust zusammen. Zehn Mitarbeiter sitzen blöd vor dem Fernseher, bis einer aufsteht, extra in das „Zivikammerl“ geht und uns sagt, dass wir ihren Müll wegräumen sollen. Was soll die Scheiße?

Jegliche Kritik wurde mit „Seids froh, dass da sein könnts!“ und „Früher wars noch schlimmer!“ abgeschüttelt. Dass wir den Dienstplan (Wir hatten wechselnde Turnusdienste!) teilweise nicht einmal eine Woche vor dem Dienst hatten, wurde mehrmals als Versehen abgestempelt. Wie soll man eigentlich irgendetwas planen, wenn man nicht einmal weiß, ob man jetzt nächste Woche Samstag oder Sonntag arbeiten muss?

Während des Lockdowns in der Corona-Krise brach das Krankentransportgeschäft komplett ein und ich saß nicht selten ganze 8 Stunden auf der Dienststelle blöd („unnötig“) herum. Weil das noch nicht genug war, holte man sich „freiwillige“ Zivildiener, die für viel Geld dann zusätzlich blöd herumsaßen und verlängerte auch noch jene, die eigentlich Ende März heimgehen wollten, bis Juni. Diese durften dann auch noch – mangels vorhandener Aufträge – blöd die Gegend beobachten. Das ist effiziente Personalpolitik!

3.3 Der Umgang mit mir

Mir wurde relativ früh klar, dass ich mit dem konservativen Weltbild „Hände falten, Goschn halten!“ nichts anfangen kann. Dies und ein paar andere wichtige Gründe hielten mich davon ab, mich in die museale Organisation Bundesheer zu begeben. Dass ich dann ausgerechnet in der schwarzen Hochburg „Rotes Kreuz“ landen würde, ist wohl mehr als nur Ironie.

Nachdem bei der Feuerwehr in Krems alle Plätze im gewünschten Zeitraum vergeben waren und ich keine Lust zu pendeln hatte, fragte ich beim Roten Kreuz Krems an. Im ersten Gespräch schien der Leiter recht nett und sprach von einem anstrengenden Dienst, bei dem vielleicht das ein oder andere Wochenende unter die Räder kommen könnte – ich korrigiere: JEDES EINZELNE WOCHENENDE. Ich hatte keine Ahnung, was mich da erwartete.

Bis hierher wird dieser Weg mit den meisten Zivildienern beim Roten Kreuz gleich sein. Das Marketing der Institution ist genial – das funktioniert auch mit dem Blutspenden ähnlich gut.

Im Jänner 2020 (also Monat 4 des Zwangsdienstes) geisterten Gerüchte herum, ich solle wohl versetzt werden. Grund dafür wäre meine ablehnende Haltung zum „früher Kommen“ und vermutlich das „mich auf die Abschussliste setzen“ einiger Opportunisten, welche glaubten, sich durch derartige Schleimerei beim Vorgesetzten Vorteile zu erhaschen.

Das war wohl die mit Abstand schwierigste Zeit für mich. Jeden Tag wurde ich gefragt, wann ich wohl weg wäre, gefolgt von einem Kommentar, dass mir das schon gehöre (Man sieht: ein sehr kollegialer Verein). Denn wer sich der Obrigkeit widersetzt, muss mit dem Schlimmsten rechnen. Diese Unterwürfigkeit gegenüber jedem „Hallawachl“, der sich Chef nennen darf oder auch nur auf wichtig tut, ist mein Hauptkritikpunkt an dem ganzen Land.

Das Letzte, das ich in meinem Leben hergebe, ist das Recht, ein Mensch zu sein. Während dem Zivildienst war ich kein Mensch. Ich war ein Sklave. Nur eine Nummer – im Fachjargon auch „Zivildienstzahl“ genannt.

Aufgrund ein paar glücklicher Fügungen bekam ich gegen Jänner mit, dass die Auftragslage in Abenddiensten sehr schwach ist und wandelte den Turnusdienstplan durch geschicktes Manövrieren mit den Dienstplänen, in einen „normalen“, statischen Dienstplan um. Nun hatte ich jeden Tag von 17-1 Uhr Dienst und konnte mir den Rest des Tages für „richtige“ Arbeit freihalten.

Das halte ich meiner Dienststelle wirklich bis heute zu Gute – kann aber die anderen Punkte bei Gott nicht ausgleichen.

Ich behaupte ohne zu Zögern, dass dies mit Abstand die schlimmste Zeit meines Lebens war. Nirgendwo war das Arbeitsklima schlechter, die Vorgesetzten unfreundlicher oder die Arbeit so beschissen wie hier.

3.4 Feiertagsdialysen

Die Feiertagsdialysenliste — links die Spalte für den Fahrer, rechts für den Sanitäter

Wie auch jeder Krankheit egal ist, ob es Sonntag oder Montag ist, so ist es auch der Niere egal. Dadurch muss auch an Sonn- und Feiertagen ein gewisses Grundangebot abgedeckt werden. Was ist das Unfaire daran? Die Zuständigkeit fällt ausschließlich auf Zivildiener.

Wie läuft das ab?
Ein paar Wochen vor einem Feiertag legt man Listen auf, bei denen man sich einschreiben kann, wann man Dialyse fährt. Hier wird seitens der Dienststellenleitung gebeten, dass sich das gleichmäßig aufteilt, sodass nicht jeder Zivildiener an jedem Feiertag (wie beispielsweise 25. und 26.12.) arbeiten muss.

Dass das nicht funktioniert, muss wohl jeder geahnt haben. Und hier wird wieder gerne mit „Divide et impera“ regiert, sodass man sich untereinander zerstreitet, anstatt hier endlich mal für Gerechtigkeit kämpft und dies auf alle Mitarbeiter gleichmäßig aufgeteilt wird. Die betroffenen Zivildiener bekommen nicht einmal einen Wochenendzuschlag oder Ähnliches – Überstunden werden lediglich 1:1 in Zeitguthaben umgewandelt, unabhängig davon, wann sie geleistet wurden.

Wie sieht das gesetzlich aus?
Die Dienststelle kann die Zivildiener problemlos an einem Feiertag einteilen und muss – das ist der Wahnsinn – dies nicht einmal als Überstunden auszahlen, solange man in dieser Woche unter 48 Stunden ist!

Doch warum lässt uns die Dienststelle das manuell einteilen und macht das nicht von selbst?
Das hat den einfachen Grund, dass uns nicht Überstunden angeordnet werden dürfen, die Hauptberufliche nicht machen müssen. Da wir uns diese „selbst“ zuteilen (müssen), sind diese nicht angeordnet. Und somit müssen dank diesem Trick nur Zivildiener an Feiertagen arbeiten.

3.5 Das anstrengende Leben als Fahrer

Jeder hat schon einmal von den komplizierten (aber sinnvollen!) Regelungen für LKW- & Bus-Fahrer gehört. Mindestruhezeit, erzwungene Pausen und andere Vorschriften gelten, um Berufskraftfahrer und alle anderen Teilnehmer im Straßenverkehr möglichst gut zu schützen.

Preisfrage: Wie viele dieser Regelungen gelten für Fahrer beim Roten Kreuz?

Richtig gedacht – keine einzige! Man lässt hier 18-jährige Fahranfänger ruhigen Gewissens 12 Stunden (oder mehr) quasi durchfahren. Natürlich nur aus Liebe zum Menschen – es geht hier natürlich nicht darum, den maximalen Profit aus uns Jungen zu ziehen.

Möchte jemand mit einem übermüdeten Zivildiener nach einer 12-Stunden-Schicht mitfahren? (Bitte nicht gleich so viele, danke!)

Das ist nicht nur grob fahrlässig, sondern widerspricht auch allen ethischen und moralischen Grundsätzen. Doch die gibt es hier sowieso nicht; die würden den Gewinn schmälern (und die paar kaputten Autos im Jahr zahlt ja sowieso die Versicherung).

Bevor jetzt jemand meint: „Moment, eine Mannschaft besteht doch eh aus zwei oder drei Sanitätern, die sich abwechseln können“ – möchte ich nochmal, wie eingangs schon erwähnt, darauf hinweisen, dass für die Fahrer-Berechtigung eine entsprechende interne Ausbildung und Genehmigung erforderlich ist. Die hat nicht jeder und wird erst im Verlauf des Zivildiensts gemacht. Es darf somit leider getrost davon ausgegangen werden, dass ein Zivildiener oft gar nicht die Möglichkeit hat, den Kollegen fahren lassen zu dürfen.

Dies und ein paar andere Faktoren brachten mich dazu, am Ende meines Dienstes nicht mehr zu fahren, sondern daneben zu sitzen und zu schlafen. Das ist sowieso das Sinnvollste, das man in der Zeit tun kann.

4. Ich nenne es Zwangsarbeit

https://www.dwds.de/wb/Zwangsarbeit
Ich finde die Definition passt zu meinem Zivildienst 🙂

Nun, manch ein Anhänger der Partei, welcher die unbedingte Erhaltung dieser Sklaverei fordert (ÖVP *hust*), kommt mir entgegen, dass es doch auch mal „anders“ sein kann, auf der untersten Ebene zu stehen – quasi „richtig lehrreich“ sozusagen.

Soll ich euch sagen, was ich in 9 Monate dort gelernt habe? Dass der ganze Verein verlogen ist. Wie man Pensionisten von A nach B bringt. Und das nichts und niemand diese Sklaverei je mehr vor mir rechtfertigen kann.

Nun, was würde man in Österreich als unterste Stufe betrachten? Das ist sehr abhängig von der Weltanschauung. Für mich sind das jene, die zum Beispiel scheinselbstständig als Paketdienstleister, in Schlachthöfen oder anderen schlecht bezahlten Berufen arbeiten. Gut, sowas hatte ich nie. Doch eine wesentliche Freiheit, haben diese Berufe – wie jeder anderer Job auch: Man kann prinzipiell den Hut drauf werfen und heimgehen.

Und am zweiten Tag meines Zivildienstes war es schon scheiße. Und ich wär am liebsten wieder gegangen; hab die Versetzungsliste durchgeschaut, aber nichts Vernünftiges gefunden.

Das ist der Punkt, der sich meiner Meinung nach am schlimmsten auf den Zivildienst auswirkt: Uns fehlt die Möglichkeit zu protestieren, Missstände korrekt zu besprechen und schlimmstenfalls zu gehen.

Die einzige Protestmöglichkeit, außer die illegalen Anordnungen zu ignorieren, war der kurzfristige Krankenstand. 5-Uhr-Dienste zwei Wochen lang? Leider krank. 12-Stunden-Dienst am Sonntag? Leider krank. So makaber das auch klingt: Das war unsere Lösung für Dinge, die wir nicht lösen konnten (oder für ungerecht hielten).

Da das alle machen, hat sich unser BIMAZ Herbert Kickl eine schöne Regelung ausgedacht:
Jeder, der mehr als 24 Tage krank ist, wird automatisch vom Zivildienst entlassen und muss dann später die restliche Zeit nachholen.
Gnädigerweise hat man den Zwangsverlängerten nochmal 24 Tage Krankenstand gegeben, damit aus den 3 unnötigen Extra-Monaten nur noch 2 werden.

Randnotiz: Ich war übrigens 23 Tage krank.

5. Die Organisation Rotes Kreuz

Fake-Meldung - Zellanalyse: Rotes Kreuz Krems überrumpelt ...
noen.at : Bezirksstelle Krems an der Donau

„Aus Liebe zum Menschen“ – der Slogan hört sich gut an. Zumindest für Außenstehende. Für Zivildiener ist er eher verlautbart worden, wenn mal wieder etwas super gelaufen ist.

Vergesst den Slogan. Hier gehts zu wie in jeder Firma auch, nur dass man Zivis als Haussklaven für jegliche Arbeit hat. Stellt euch mal kurz vor, ihr habt in eurer Institution/Unternehmen einen Schani, dem ihr alles anschaffen könnt. Noch mehr als einem Praktikanten. Und im Gegensatz zu einem solchen dazu darf dieser aber nicht kündigen oder gar eine Anweisung ablehnen.

Ein gewisser Henry Dunant wird wie ein Heiliger in der Kirche als Heiland des Roten Kreuzes verehrt. Doch mit barmherzigen Samaritern hat diese Organisation nichts mehr zu tun.

Seit den vielen Corona-Pressekonferenzen fiel die Parteinähe dieser Organisation mehr Personen auf als jemals zuvor. Geld bekommt die Organisation von Spenden, die auf Provisionsbasis wie Zeugen-Jehovas-Vertreter den Pensionisten aufgeschwatzt werden und hauptsächlich vom Staat.

Pro Zivildiener bekommt das Rote Kreuz 600€/Monat Subvention, sowie 1700€ für die Ausbildung und noch weitere Förderungen, über die sich andere schon mehr als den Kopf zerbrochen haben. Trotzdem gehen sie regelmäßig an die Medien, um nach Unterstützern zu betteln. Irgendetwas läuft hier gravierend falsch, wenn man trotz spottbilliger Zivildiener den Apparat nicht finanziert bekommt.

Ich weiß nicht, ob ich hier nicht zu sozialistisch denke, aber so etwas Grundlegendes wie Rettungsdienst oder Krankentransporte sollte der Staat organisieren, nicht eine Organisation, in der sich jeder einzelne für Superman hält.

6. Forderungen

  • Abschaffung der unmenschlichen 48-Stunden-Woche
  • Abschaffung der regelmäßigen Wochenenddienste
  • Gleichberechtigung aller drei Berufsgruppen auf der Dienststelle
  • Nachträglich bessere Entlohnung aller Zwangs-verlängerten
  • Abschaffung der pseudo-selbsteingeteilten Feiertagsdialysen
  • Einführung einer verpflichtenden Mittagspause (Richtig gelesen, die gibt es wirklich nicht!)
  • Einführung von verpflichtenden Pausen und einer maximalen Fahrzeit von 6 Stunden pro Schicht

Nun zu den Verantwortlichen in Krems:

Ihr habt maximal dazu beigetragen, mir die 9 Monate so unmenschlich wie möglich zu gestalten. Mit eurer Ignoranz zu offensichtlich illegalen Regelungen, eurem Nichtstun bezüglich der Konflikte der Hauptberuflichen, habt ihr es sowohl uns als auch allen anderen Mitarbeitern schwer gemacht, auch nur eine Stunde hier genießen zu können.

Ihr wisst seit geraumer Zeit, was hier vor sich geht; Listen an unendlichen Forderungen liegen (auch eine von mir) schon lange am Tisch. Was leider fehlt, ist der Druck, endlich etwas zu tun.

Die Verantwortlichen sollen entweder endlich die erforderlichen Maßnahmen ergreifen oder zurücktreten. Das Fass – und mit dieser Aussage bin ich bei Gott nicht alleine – ist in Krems längst übergelaufen – nur hat dies noch niemand öffentlich gesagt.

7. Schlusswort

Liebe Kameraden vom Roten Kreuz,

wenn ihr es bis hierher geschafft habt und nicht alles überflogen habt, ist euch gerade eine Liste von Problemen entgegen gebracht worden Es wäre in eurem eigenen Interesse – sowohl aus Image- als auch aus Gründen des internen sozialen Friedens – die Arbeitsbedingungen für Zivildiener und den eigenen hauptamtlichen Mitarbeitern massiv zu verbessern.

Aufgrund der vielen Erschwernisse, der (meiner Meinung nach) illegalen, aber zumindest unfairen Regeln und der enormen Belastung ist der Begriff Sklaverei für die letzten 9 Monate mehr als nur angebracht.

Ihr braucht gar nicht versuchen mich anzurufen. Mir ist das mittlerweile egal. Löst eure Probleme und lasst mich in Ruhe. Dieser Artikel ist mein Werk, um mit diesem schwierigen Kapitel endlich endgültig abschließen zu können.

Jetzt macht bitte euren Job aus demselben Grund, warum ich eigentlich bei euch Zivildienst machen wollte: „Aus Liebe zum Menschen“

Mit freundlichen Grüßen
Bernhard Steindl

Weiterführende Links:

P.S.: Könnt ihr mir bitte die Bestätigung für den Zivildienst per Post schicken? Ich will die heiligen Hallen des Henry Dunant eigentlich nicht mehr betreten.

blog.e9a.at ist nun auch als Tor-Hidden-Service erreichbar

enineadvb6cau52jfynsb4zfhpig7jv7n6kkggrw5wliwkm4guc5ocid.onion

Technisch versierten Benutzern wird die .onion-Endung bestimmt auffallen, ja das ist ein Hidden Service im „Dark-Web“.

Keine Angst, auch in Zukunft wird es hier kein Kokain zu kaufen geben, sondern weiterhin Artikel über Technik und Politik, wobei ich versichern kann, das gerade einiges in der Pipeline steckt!

Weiters gebe ich bekannt, das in Zukunft mit Matomo die Zugriffszahlen überwacht werden. Das hilft mir, einen Überblick über die Zielgruppe zu haben und verlangt euch nichts ab! Weiterhin gibt es natürlich kein Tracking von Google, Facebook und Konsorten auf meinen Websites.

Viel Spaß!

Die HEROLD.at-SMS-API

Man könnte glauben, ich habe den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als Bugs bei der Website eines Telefonbuchanbieter zu suchen. Dabei fiel das eher durch Zufall als durch extensives Testen auf.

Worum geht es?

Herold.at hat eine Funktion, welche das Versenden von Telefonbucheinträgen als SMS erlaubt. Beim Aufrufen dieser Funktion wird ein neues Fenster mit diesem URI-Schema geöffnet:

https://www.herold.at/cms/apps/sms/send.php?Content=text

Hier selbst wurde zwar ein Google-Captcha geschalten, was aber nicht daran hinderte, eine SMS mit beliebigen Inhalt zu senden:

Nach dem Klick auf „SMS senden“ wird dieser Text (zugegeben mit Enkodierungsfehlern, wenn Umlaute vorhanden sind) an die angegebene Rufnummer versendet.

Der Empfänger freut sich über eine schöne SMS

Ein kleiner Test meinerseits bestätigt diese These, der Text kommt als SMS beim Empfänger an.

Da ich vermute, dass das nicht der „gedachte“ Einsatzzweck dieses Formulars ist, habe ich dies an das Team von Herold.at gemeldet.

Diese API lässt sich natürlich missbrauchen, man könnte hier durch den vertrauenswürdigen Empfänger „HEROLD“ leichtgläubige Personen zum überweisen von Telefonbuchrechnungen etc. bringen oder auch einfach nur Personen unter falschen Namen mit Nachrichten bombardieren.

Wie macht man das richtig und baut nicht solche Fehler?

Meiner bescheidenen Meinung nach sollte man dies nicht so implementieren, da aber diese SMS-Funktion nachträglich in das System eingebaut wurde, mussten die Daten (also welcher Text versenden werden soll) irgendwie übertragen werden. Da ich von Außen kaum beurteilen kann, wie das System intern funktioniert, kann ich die Komplexität nicht bewerten.

Der Parameter „Content“ hätte sich aber auch als POST-Request senden lassen können, so wäre dies nicht so offensichtlich gewesen, aber man hätte diese Funktion trotzdem missbrauchen können.

Vermutlich wäre es besser, wenn diese SMS-Bridge Zugriff auf die Datenbank bekommt und dann eine ID übermittelt, von welcher die Daten dann ausgelesen und versendet werden konnten.

Wie hat Herold.at reagiert?

Ich sendete am 07.04.2020 eine E-Mail mit fast identischem Inhalt wie dieser Blogpost an office@herold.at. Bis Veröffentlichung dieses Artikels (10.4. 21:00) bekam ich keine Antwort, auch keine Empfangsbestätigung, wodurch ich mich nicht weiter gehindert fühlte, die Lücke öffentlich zu machen.

Ist die Lücke bereits geschlossen?

Stand 10.4.2020: Nein

Credits

Versierten Kreisen ist diese Lücke schon länger bekannt, ich selbst wurde darauf von einem Freund hingewiesen. Diese Veröfentlichung ist eine Publikmachung dessen, was viele schon seit einiger Zeit wissen.

Social Media neu gedacht: Willkommen bei voi.social

Am 26. März startete auf der Infrastruktur von IT Kaufmann ein neuer Node des sozialen Netzwerks Mastodon. Was Mastodon ist und was mein Ziel ist, wird in diesem Beitrag erklärt.

Anfangs mal ein Video von den Machern des Sozialen Netzwerks:

Ich trage nun meinen Beitrag dazu bei und habe mit Dominik Dafert (Website) und ein paar weiteren Kollegen die Domain voi.social erworben und die Instanz aufgesetzt.

Mastodon ist vergleichbar mit Twitter, die User-IDs bestehen aus @username@instanz-domain.org, beispielsweise bei mir @bsteindl@voi.social. Als zusätzliches extra gibt es auch noch bei voi.social die Verlinkung von <username>.is.voi.social. Ja, nichts weltbewegendes, aber immerhin.

Das Netzwerk ist Föderal, das heißt, ich kann auch mit allen anderen Instanzen kommunizieren. Dann ist das Netzwerk gar nicht mehr so klein und man kann mit vielen (wenn auch meistens IT-affinen) Personen interagieren.

Daher mein Aufruf: Erstellt euch einen Account, ladet euch eine von den Apps herunter und schaffen wir eine freie Alternative zu Facebook, Instagram, Twitter und co.

Registrierungsanleitung

1. voi.social besuchen

Hier klicken und registrieren

2. E-Mail bestätigen

Öffne dein E-Mail-Programm und bestätige deine E-Mail-Adresse

3. Fertig!

Nun kannst du dein Profilbild festlegen und Personen suchen, denen du folgen kannst!

FAQ

Du machst sicher voll viel Spionage!

Nein, mache ich nicht. Ich versuche gerade, Mastodon zu trainieren, noch weniger Daten zu sammeln. Leider gibt es keine bessere Variante, als IP-Adressen zumindest für eine kurze Zeit zu sammeln, damit man Spam bekämpfen kann. Wenn das ein Problem ist, empfehle ich, die Instanz mit dem Tor-Browser mit dem .onion-Link aufzurufen.

Klarnamenpflicht? Regeln?

Findest du hier.

Warum soll ich einen Account erstellen? Das nutzt ja keiner!

Ich nenne dieses Problem Henne-Ei-Problem: Ohne Benutzer keine Inhalte, ohne Inhalte keine Benutzer. Irgendwo muss man diese Kette aufbrechen, dasselbe haben wir bei Messenger, Betriebssystemen, etc.

Dann nichts wie los!

Über Corona und Boulevardblätter

Mein lieber Herr Fellner, liebe Krone-Redaktion, liebe Hamster-Käufer,

hört endlich auf, die Bevölkerung zu verunsichern. Als Sanitäter hat man Kontakt mit vielen verschiedenen, aber hauptsächlich alten Menschen und es ist unglaublich, welche Lügen und Falschmeldungen hier kursieren.

Die Leute decken sich unnötigerweise mit allerlei Zeug ein, da viele noch immer glauben, dass nächste Woche alles zu ist. Ich habe soviele absurde Dinge gehört, welche ich mir nur aus einer skurrilen Mischung aus Social Media und Boulevardblätter erklären kann. Ich habe mir deshalb gedacht, ich bastle schnell ein kleines Krisen-FAQ, um hier endlich mal mit Fakten zu arbeiten.

Meiner Meinung nach gehört der gesamte Boulevard (Österreich/Ö24, Heute, Krone) sowieso verboten, diese drei Medien verursachen journalistischen und realen Müll, der jeden Tag auf den Straßen in der Stadt herumliegt. Ganz ehrlich, schleichts eich!

Ich hab gelesen, dass ab Montag alles zu hat!

Vergesst die sozialen Medien in Krisen. Verlässt euch auf offizielle Informationen. Weiter unten steht, wo ihr die bekommt.

Haltet euch auch von Ö24/Heute/Krone fern, sie verbreiten offensichtlich Fake News.

Lebt euer Leben mit den paar Einschränkungen und Empfehlungen, die die Bundesregierung angekündigt hat (ganz unten).

Warum gibts eigentlich ka Häuslpapier mehr?

Das liegt daran, dass gewisse Medien (hust) verbreiten, dass Klopapier das neue weiße Gold ist. Naja, jetzt streiten sich die Leute drum und es ist fast nirgendwo mehr zu kriegen, auch wenn mans wirklich braucht.

Ich weiß nicht, warum die Leute so dumm sind und das glauben. Übrigens gibt es auf willhaben gerade ein Spezial-Angebot!

Quelle: willhaben.at, 14.03.2020

Warum sind die Regale leer?

Das liegt nicht daran, dass die Nahrungsmittellieferungen nicht kommen, sondern weil die Leute derzeit extrem viel einkaufen. Es gibt keine Gefahr, dass hier zu Engpässen kommt. Geht einfach normal einkaufen!

Unternimmt das Rote Kreuz etwas dagegen?

Ja, es wurden einige Hygienemaßnahmen gesetzt und das ist meiner Meinung nach ausreichend. Es gibt besteht keine Gefahr, wenn man Hilfe benötigt. Einfach wie immer bei 144 anrufen, wenn ein Notfall besteht.

Bleibt die Versorgung aufrecht?

Natürlich bleibt die Versorgung aufrecht, es gibt keine Engpässe, die nicht von den Menschen selbst verschuldet sind. Die Supermärkte kommen mit den Lieferungen nicht nach, da die Nachfrage so hoch ist, nicht die Lieferungen so gering!

Du hast ja keine Ahnung, du bist ja Serveradmin

Ja, das ich kein Virologe bin, gebe ich gerne zu. Aber ich sammle hier Informationen, damit keiner Panik schürt.

Wenn die alle Lügen, wer lügt dann nicht?

Die Gratiszeitungen leben davon, „Die Welt geht unter“ als Headline zu titulieren. Wenn sich dadurch die Auflage erhöht, erhöhen sich die Werbeeinnahmen. Diese „Blattln“ solltet ihr sowieso immer meiden, da sie immer Panik und Stimmung verbreiten, egal vor was.

Ich empfehle jetzt an dieser Stelle keine Medien, aber es gilt folgender Grundsatz: „Eine gute Zeitung erkennt man daran, dass sie kein Horoskop beinhaltet“

Wo kann ich mich informieren?

Ich empfehle den ORF und die Informationsseiten der AGES und der Gesundheitsregierung. Auch der NDR macht gute Arbeit.

NDR – Podcast mit dem Virologen Dr. Drosten

AGES – Informationen zum Coronavirus

Zwei Zeilen und ein Halleluja

Manchmal is wiakle zum Giftn. Zum Beispiel, wenn einem die Nextcloud seit dem Update auf 17 mal wieder ein bisserl herumspinnt.

Wenn man analysiert, fällt einem der CSP-Header am Kopf

Nun, was ist CSP? Hier geht es um die Ausführung von JavaScript, welches von einem Webbrowser ausgeführt werden soll und eine ziemlich große Angriffsfläche bietet. Daher hat man das mittels eines experimentiellen Header „hinpfuscht“, welcher bis heute kein offizieller Standard ist.

Um das Problem in diesem Zusammenhang zu verstehen, muss man wissen, dass im IPv4-Netz, die Adressen Mangelware sind. Also versucht man hier möglichst mit öffentlichen IP-Adressen zu sparen und versucht mit Krückenlösungen wie NAT, eine neue Technologie (IPv6) möglichst lange hinauszuzögern, damit man seine alten Scheißsysteme (und Gewohnheiten) ja nicht anpassen muss.

Daher haben auch wir Reverse-Proxies im Einsatz, welche hinter einer IP, nehmen wir mal die 77.244.22.11, beliebig viele Websites betreiben können, wobei der Webserver hier nur bei der Domain unterscheidet. Da wir aber trotzdem eine möglichst gute Abkapselung unserer Kunden (und im Privatbereich) Websiten brauchen, schieben wir unsere Nextclouds (und andere Software, bei der es gut ist, den Namespace nicht mit allen anderen zu teilen) in Container (welche laufend mehr Bugs erzeugen, als ich Unterhosen besitze aber nichts ist perfekt).

In diesen Containern läuft dann je nach Lust und Laune nginx oder Apache. Das Problem: Der Einfachheit halber verschlüsseln wir den Datenverkehr zwischen Proxy und Nextcloud-Container nicht und deshalb weiß dieser auch naturgemäß nicht von einer etwaigen Verschlüsselung (nach Außen).

Das bringt uns wieder zurück zu CSP. Nextcloud gibt bei den neueren Versionen mittels PHP automatisch CSP-Header mit, damit die faulen User das nicht selbst konfigurieren müssen. Trotzdem generiert die Nextcloud standardmäßig http statt https-Links, welche aber standardmäßig umgeleitet werden und eigentlich per se kein Risiko darstellen. Leider führt dies aber zu den oben gezeigten CSP-Errors, welche vor dem Laden von HTTP-Inhalten warnt, obwohl nginx diese ja sowieso auf https umgeschrieben hätte.

Ja, die zwei heiligen Zeilen, um der Nextcloud dies mitzuteilen sind nun (NC 17 und 18) diese hier (eingefügt in die config.php):

'overwriteprotocol' => 'https',
'overwritewebroot' => '/'

Und dann sind wir eigentlich schon wieder fertig. Wenn man weiß wie.