Typisch Krems: Betonieren, Sudern und Busse verunglimpfen

Nach langer Pause muss ich mich mal wieder zu Wort melden: Was die Kremser ÖVP derzeit aufführt, ist mir nicht mehr wuascht.

Da macht die SPÖ einmal etwas vernünftiges wie eine enorme Ausweitung der Öffentlichen Verkehrsmittel und wieder sudern alle. Krems ist eine Autostadt oder soll das zumindest bleiben, wenn man den Wortmeldungen der „Volkspartei“ glauben darf.

Die Prioritätsliste der Stadt Krems in Sachen Mobilität (direkt von der Website kopiert)

Das fängt schon damit an, dass auf der ganzen Website der Stadt Krems kein Wort zum Bahnhof Krems und der Anbindung dessen fällt. Dafür wird einem weit und breit erklärt, wie und wo man in der Stadt parken kann. Da braucht man sich dann nicht wundern, wenn die Touristen und ArbeitnehmerInnen dann die ganze Stadt vollparken.

Das soll jetzt kein dummes Autobashing sein, aber eine Stadtregierung, die im Jahr 2021 noch neue Parkplätze baut, darf man wohl in Hinsicht umweltfreundlicher Mobilität nicht ernstnehmen. Traurig genug, dass diese Fläche überhaupt leersteht, aber das kann ja wohl keine Lösung sein.

Nun wieder zurück zum Thema: Der Verkehrsstadtrat dürfte wohl eher zur vernünftigen Seite gehören, indem er dieses Projekt erst durchbrachte. Die Busse fahren nun teilweise im 30-Minuten-Takt durch die Stadt und da fällt dann auf, dass viele Kremserinnen und Kremser schon seit Jahren illegal herumstehen.

Man braucht hier nicht lange herumzuphilosophieren: Verkehrsströme gehen immer den widerstandslosesten Weg. Baut man Straßen/Parkplätze/Autobahnen aus, wird es bequemer mit dem Auto zu fahren. Baut man hingegen die Öffentlichen Verkehrsmittel (gut!) aus, werden diese mehr benutzt. Ditto Fahrradinfrastruktur.

Es gibt bereits Politiker in der Stadt (sogar von der ÖVP!), die natürlich wissen, dass vor allem in der Stadt kein Platz für immer breiter werdende Autos ist. Was ist die Lösung?

Eine maßgeschneiderte Lösung gibt es nicht!

Es gibt keine einfache Lösung für das Mobilitätsproblem. Wien hat zwar viel Verkehr auf die Öffentlichen Verkehrsmittel umlegen können, dafür hat aber ein milliardenteurer Ausbau über Jahrzehnte sowie viel Kritik in früheren Zeiten schon mehrmals dafür sorgen können, dass dies heute nicht so wäre. Einzelne wenige Unternehmer und Politiker versuchen in Krems seit Jahren, jeglichen Fortschritt zu verhindern.

Die Mobilität in Wien verursacht nur die Hälfte der Emissionen/Kopf wie am Land. Quelle: VCÖ

Dort wo Wien heute ist, muss man in den zentralen Bezirken wie in St. Pölten, Wiener Neustadt als auch Krems erst einmal hinkommen. Hier sind Maßnahmen wie der Öffentliche Verkehr hilfreich, andere wie die Ausweitung des Gewerbegebietes um fast die doppelte Fläche inklusive Waldrodung und neuer S5-Ausfahrt tragen wieder dazu bei, den MIV zu verstärken.

Der Flächenwidmungsplan weist hier Bauland – Industriegebiet aus. Rechts oben ist eine neue Ausfahrt aus Fahrtrichtung Krems geplant. Quelle: Stadt Krems
Heute sind beim geplanten Erweiterungsgebiet nur Wiesen, Wald und Felder. Satellitenbild: Google

Klar – das Erweiterungsgebiet ist nicht „Natur pur“ und auch kein Naturschutzgebiet, doch bringt eine Erweiterung nur noch mehr Verkehr und Versiegelung. Dies ist nur ein kleines Beispiel, wie hier durch zentrumsferne Firmenansiedelungen Verkehr generiert statt vermieden wird.

Die Medien spielen mit

Jeder Furz der hiesigen Unternehmer (eigentlich nur der Fleischer Graf und ein Honigladen) plus die Autofahrerlobby in Gestalt der ÖVP und FPÖ versuchen hier, obwohl sie bei den Sitzungen für das Projekt gestimmt haben, eine negative Stimmung für das Projekt aufleben zu lassen.

Dazu zählt auch die NÖN, die als ÖVP-nahe-Zeitung hier immer wieder Öl ins Feuer gießt:

Den Gipfel der Blödheit stellt hier „Corona-ist-nicht-so-schlimm“-Fernsehsender Servus TV dar, der im folgenden Video das Ganze in die Lächerlichkeit zieht.

Quelle: Servus TV

Folgende Dinge merke ich aus rechtlicher Sicht der gesamten Diskussion an:

  • Bestandsschutz der bestehenden Verkehrswege: Alte Straßen wie diese in der Innenstadt müssen die Mindestbreite nicht erfüllen, das gilt natürlich nur für Neubauten. Sonst müsste man ja auch die halbe Innenstadt abreissen.
  • §23 StVO , Abs. 1) Der Lenker hat das Fahrzeug zum Halten oder Parken unter Bedachtnahme auf die beste Ausnützung des vorhandenen Platzes so aufzustellen, daß kein Straßenbenützer gefährdet und kein Lenker eines anderen Fahrzeuges am Vorbeifahren oder am Wegfahren gehindert wird.
    • Wenn der Bus nicht vorbeikommt, gilt an dieser Stelle automatisch „Halten- und Parken verboten“
  • §24 StVO, Abs.1 Das Halten und Parken ist verboten …
    • b) auf engen Stellen der Fahrbahn, im Bereich von Fahrbahnkuppen oder von unübersichtlichen Kurven sowie auf Brücken, in Unterführungen und in Straßentunnels,
    • o) wenn Fußgänger, insbesondere auch Personen mit Kinderwagen oder Behinderte mit Rollstuhl, an der Benützung eines Gehsteiges, eines Gehweges oder eines Geh- und Radweges gehindert sind,

Man merke sich, wenn der Bus/Fußgänger/Rollstuhlfahrer nicht am Gehsteig oder auf der Straße vorbeikommt, kann das Auto gar nicht „korrekt abgestellt“ worden sein. Das sollte auch eine Lehre sein für Autos in Übergrößen (SUVs, Hausfrauenpanzer, Stadtgeländewagen, …), welche diese Regelungen auch gerne mit Füßen treten, da ihre Autos breiter sind als die alte Norm und daher nicht in jeden Parkplatz passen.

Das Problem an den oben genannten Regelungen ist, dass sie über Jahrzehnte ignoriert worden sind und hier ein Gewohnheitsrecht eingetreten ist: „Wo Platz ist, kann ich parken“. Das stimmt so nicht! Wo genug Platz für alle anderen Verkehrsteilnehmer auch nach dem Einparken ist, kann ich parken.

Normalerweise braucht man also den ganzen Schilderwald „Halten und Parken verboten“ gar nicht, da es auch ohne Schild illegal wäre. Aber um der Anarchie der Faulheit Herr zu werden, hängt man halt überall Schilder hin …

Conclusio

Der neue Stadtbus ist ein gutes Projekt, hat aber leider noch immer keine Durchgangslinie und auch keinen 15-Minuten-Takt oder Betrieb am Sonntag. Eine eventuelle Straßenbahn rückt in jahrtausendweite Ferne, wenn man die Anfeindungen an den neuen Stadtbus sieht: Der Bus ist schuld, dass ich nicht mehr (illegal!) parken darf. Gratulation ÖVP, Projekt gelungen!

FAQs zu „Aus Liebe zum Menschen“

Ich möchte euch folgende Hintergrundinformationen und ein paar Dinge, die in den ursprünglichen Artikel einfach nicht mehr gepasst haben, nicht vorenthalten.

Ist das einfach ein Rant-Artikel oder hast du einfach nur schlecht geschlafen? Wie kommt man auf die Idee?

Das ist kein Rant-Artikel über das Rote Kreuz oder der Dienststelle in Krems. Ich konnte in den 9 Monaten nichts zum Besseren wenden, was mich sehr frustrierte. Das ist der Versuch, den Dienst für die Nachfolgenden angenehmer und erträglicher zu machen.

Bist du dir sicher, dass das „Früher kommen“ illegal ist?

Unser Vorgesetzter darf uns zwar prinzipiell die Anweisung geben, dass wir früher kommen sollten, jedoch dürfen wir illegale Anordnungen ignorieren. Wie die Dienstzeitverordnung besagt, dürfen wir im Turnusdienst maximal 48 Stunden/Woche arbeiten. Da die reguläre Dienstzeit bereits 48 Stunden beträgt, ist auch 2 Minuten früher kommen nicht legal.

Eine angedrohte Erhöhung auf 50 Stunden oder mehr ist nur in begründeten Ausnahmefällen und begrenzt möglich.

Hast du was gegen deine Vorgesetzten?

Prinzipiell habe ich nichts gegen die (ehemaligen) Vorgesetzten. Durch das permanente Ignorieren unserer Forderungen und Warnungen, dass gewisse Anordnungen illegal sind, haben sie sich jedenfalls nicht mit Ruhm bedeckt.

Hast du Angst vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung?

Dazu wird es nicht kommen, da die Fakten durch unzählige Zeugen belegt sind und die Vorgesetzten auch wissen, dass manche Dinge maximal rechtliche Grauzone sind. (Deswegen gab es auch nie eine schriftliche Anordnung für das „Früher kommen“.)

Wie sieht ein Arbeitsalltag im Krankentransportdienst aus?

Man trifft auf der Dienststelle ein und sucht erst einmal den zweiten, mit dem man an dem Tag im Auto sitzt. Wenn dieser Fahrer ist, ist man selbst Sanitäter und umgekehrt. Dann nimmt man die Schlüssel, Pager (Alarmierungsgerät) und die Dokumentations-iPads und marschiert in Richtung Auto. Wenn man Pech hat, kommt man bis zum Ende des Dienstes nicht mehr auf die Dienststelle und man ist 8 (oder 12) Stunden unterwegs.

Die Kremser können ja nichts dafür, dass die das Gesetz in Tulln/Wien so verpfuschen!

Das ist auch keine dezidierte Schuldzuweisung sondern eine Aufstellung von Problemen und Forderungen. Zu bestimmen, wer diese wie erfüllt oder verbessert, ist nicht meine Aufgabe. Das erklärte Ziel des Artikels ist die Publikmachung von Missständen, ähnlich wie beim Artikel zum Bundesschülerheim.

Wesentliche Probleme auf der Dienststelle sind hausgemacht und nicht von externen abhängig. Die gesamte Situation ist einem reichen Land wie Österreich absolut unwürdig. Und bitte nicht wieder mit „Bei uns war’s auch scheiße!“ und „Jeder muss da durch!“ kommen. Wir sind dazu da, das Leben aller Menschen besser zu machen. Solche blöden Kommentare sind kontraproduktiv.

Das was du sagst stimmt zwar, aber wie sollen wir das sonst machen?

Fast alle Länder der Welt – genauer genommen alle westlichen Länder außer der Schweiz und Österreich – haben den Militärdienst mit gleichzeitigem Ersatz abgeschafft. Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß, möglichst viele schlecht ausgebildete Junge als „Kanonenfutter“ in der Armee zu haben.

Alle Branchen haben sich spezialisiert, genauso wie die Heere und Rettungsorganisationen dieser Welt. Menschen zu etwas zu zwingen, das sie nicht wollen, ist kontraproduktiv. Ich plädiere weiterhin für die Abschaffung des gesamten Dienstes.

Die Freiwilligen spendieren ihre Zeit und du beleidigst sie einfach. Hast du denn gar keinen Respekt?

Natürlich habe ich Respekt vor Menschen, die ihre Freizeit der Rettung anderer Menschenleben opfern. Das ist toll. Nur ist das kein Freifahrtsschein, die Kollegen auf der Dienststelle schlecht zu behandeln, nur weil sie nicht freiwillig, sondern im Rahmen des Zivildienstes fahren. Gäbe es die Krankentransportleistungen nicht, hätten viele ältere Menschen keine Möglichkeit, zu den Ärzten oder zur Dialyse zu kommen. Das ist mindestens genauso wichtig, wie eine qualifizierte und professionelle Rettungsdienstleistung.

Du hast da einen Logik-/Rechtschreib-/Recherche-Fehler! Dein Sachverhalt stimmt nicht oder ist gelogen!

Ich bitte darum, sich bei mir zu melden! Die Kontaktdaten findet ihr im Impressum. Dies gilt natürlich auch für jene, die sich im Artikel angegriffen/beleidigt fühlen.

Hat sich bei dir schon wer gemeldet? Das muss ja Aufsehen erregen!

Stand 25.08.; 12 Uhr: Bei mir hat sich niemand gemeldet.

Brief an den Wahlkampf-Shorty

Lieber Shorty,

da du nach der nächsten Wahl aufgrund der Dekadenz der Bevölkerung wieder unser Kanzler sein wirst, wünsche ich mir von dir folgendes:

  1. Es wäre ganz nett, wenn du das Österreichische Parlament ernst nehmen würdest, anstatt im Eilverfahren illegale Gesetze durchzupeitschen.
  2. Harald Mahrer kann nicht alles machen. Und bitte setz endlich eine Umweltministerin ein, die mehr als blöd dasitzen und Standortverlegungen durchführen kann. Das Thema ist ernst.
  3. Mir wäre es lieber, wenn du mit keinen rechtsextremen Nasnbohrern koalieren würdest, auch wenn sie dir ideologisch am Nächsten stehen.
  4. Nur weil du 20 Kilo Haargel am Kopf picken hast, musst du nicht immer den gscheitesten spielen. Irren ist menschlich.
  5. Spreng nicht immer die Regierung: 2 Regierungen in 2 Jahren, wir Österreicher haben neben wählen auch ein echtes Leben.
  6. Erklär einmal, was der neue Stil eigentlich ist. Niemand weiß das, vielleicht weißt du das?
  7. Respektiere die Presse. Messetsch-Control ist eine Verarsche jedes denkenden Bürgers. Diskussionen sind öffentlich im Parlament zu führen.
  8. Lass die Finger von Themen, von denen du keine Ahnung hast. Stichwort ORF, Bildung und Politik
  9. Erklär mal, woher das ganze Geld für den ÖVP-Wahlkampf 2017 kam.
  10. Du wirkst immer so, als hättest du jeden Satz vorher auswendig gelernt. Spontanität erwarte ich von einem Staatsmann.

Ich weiß, dass du das nie lesen wirst, weil du deine Zeit lieber mit dem Spiegel verbringst. Ich auch, wir sind beide schon recht hübsch.

Bussi,

dein Stoal

In memoriam: Schwarz-Blau II

Ein guter Tag beginnt mit einem Rücktritt eines FPÖ-Politikers. Ja, es gab viele gute Tage seit Freitag und heute ist beinahe der beste.

Mich haben bereits ein paar Personen gefragt, wo mein Blogeintrag zur aktuellen Implodierung der FPÖ bleibt und ich antwortete stets mit: Hier fehlt noch eine Person, die gehen muss.

Ich spreche von Herbert Kickl, dem „Daham statt Islam“-Haus- und Hofreimer der HirnbeFreiten Partei Österreichs. Ich zitiere hier bewusst Reden und Statements von Politikern und Nationalratsabgeordneten, um aufzuzeigen, was hier in den letzten Monaten passiert ist. Für mich ist das Parlament eine Abbildung der Bevölkerung und deshalb finde ich, dass es nicht zu vernachlässigen ist. Ich möchte nicht, dass man vergisst, was diese Regierung seit der Wahl mit unserem Land angerichtet hat.

1. Das Ausreisezentrum

Dieser tollen Rede der ehemaligen Präsidentschaftskandidation Irmgard Griss (NEOS), ist absolut nichts hinzuzufügen.

2. Wer schafft die Arbeit?

Toll ist auch das Bemühen der Regierung, mit allen Mitteln einen weiteren Feiertag zu verhindern. Neben anderen „deppaten“ Äußerungen, wie das Auskommen mit 150€ oder dem rassistischen Ali-Video von FPÖ-TV hat sie bereits hinglänglich ihre absolute Unfähigkeit bewiesen und hätte bereits vor Monaten wegmüssen.

Ein paar Schmankerl:

Man beachte das „Muhahahaha“ am Anfang des Videos
von FPÖ-TV veröffentlicht

3. Rauchverbot

Für die Inkompetenz von unserer ehemaligen Gesundheitsministerin reicht ein Punkt nicht aus, auch das Aufheben des bereits beschlossenen Rauchverbots in der Gastronomie war ein besonders furchtbarer Punkt. Nur in Österreich geht es, dass man im Jahr 2018 noch Raucherschutz vor Nichtraucherschutz stellt. Dieselben Abgeordneten, die vor Jahren für das Verbot stimmten, stimmen jetzt dagegen, da es der FPÖ so wichtig ist. Tolle Partei, die Volkspartei ist für das Volk da!

Sehen sie sich diese Rede von Matthias Strolz an. Diese 10 Minuten zahlen sich aus:

Man beachte die vielen Zwischenrufe der ÖVP/FPÖ

4. Einschub Sachpolitik und FPÖ

Wenn sich irgendetwas in den Schwanz beißt, dann ist es sinnvolle Politik und FPÖ in einem Satz. Schon vor über 10 Jahren, hat der derzeitige Bundespräsident Alexander Van der Bellen, die Unfähigkeit von Strache bewiesen.

5. 140 auf der Autostrada

Experten empfehlen eine Senkung der Höchstgeschwindigkeit in Österreich auf 100 km/h auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen. Was schlägt Norbert Hofer vor? Noch schneller auf Autobahnen fahren und Verzögerung von wichtigen Schienenprojekte in Österreich.

Hauptsache, eine sinnlose Waldviertelautobahn wird einem Ausbau der Franz-Josefs-Bahn gleichgestellt, was eine Beleidigung aller Pendler ist, welche jeden Tag zwischen Gmünd und Wien 2h40 pro Strecke im Zug verlieren.

Auch Krems ist betroffen, die dringende Elektrifizierung zwischen Herzogenburg und Krems ist für das Projekt S-Bahn St.Pölten dringend notwendig und wurde jetzt auf 2025 verschoben. Tolle Leistung Norbert!

6. Fazit

Es gibt noch so viel mehr Themen, welche diese Regierung behandelt hat, ich kann aber nicht jedes einzelne davon durchkauen. Denken Sie nur an die folgenden Themen, rein sachlich bezogen:

  • Überwachungspaket
    • Registrierungspflicht für SIM-Karten (Laut Experten sinnlos)
    • Kennzeichenerkennung bei Autobahnen (Laut ASFINAG derzeit garnicht möglich)
    • Bundestrojaner (der Staat darf seine Bürger hacken)
    • De-facto Abschaffung des Briefgeheimnisses
    • IMSI-Catcher
  • Steuerreform
    • grundsätzlich gut, Experten bezweifeln Finanzierung
  • Integration
    • Mittel wurden gekürzt!
    • Deutschförderklassen (Sogar der Bildungsminister findet, dass es sinnlos ist)
  • Kickl’sche Ausdünstungen
    • Polizeipferde
    • Ausreisezentrum (siehe Irmgard Griss weiter oben)
    • Hetze gegen Ausländer, Islam und Zuwanderer
  • Österreich-App
    • viele Bugs, unfertig
  • Familienbeihilfe
    • Die Indexierung je nach Herkunftsland ist eindeutig illegal, sie wurde trotzdem beschlossen. (Gleichbehandlungsgrundsatz der EU)
    • Familienbonus deshalb, da man damit Kinder, die im Ausland wohnen benachteiligt -> Nur Steuererleichterung und bringt Personen mit wenig Einkommen fast nichts
  • Soziales
    • Reform der Mindestsicherung zu Sozialhilfe
      • Noch größere Unterschiede je nach Bundesland
      • Keine Entschärfung für Arme
      • Einsparungspotenzial = 0 => reine Symbolik
  • Sportminister
    • eigentlich nix

In den 1,5 Jahren ist viel passiert, die meiste Zeit jedoch mehr Symbol- als Sachpolitik.

Die meisten Gesetze wurden mit den Ängsten der Bevölkerung begründet und im Eilverfahren beschlossen.

Kickl, Vilimsky und andere Waldhäusln

Ach, jetzt ist schon wieder etwas passiert. Ein bedauerlicher Einzelfall, ein kleines Gedichtchen über Ratten oder ein Plakat der RFJ, welches NS-Propaganda ähnelt. Einzelfall.

Es ist ja wirklich bedauerlich, dass gerade in der Partei, die im rechtsextremen Eck Österreichs fischt, sich soviele „Nazis“ tummeln. Doch ich fürchte, es reicht. Es erinnert sovieles an die langsame Radikalisierung der 1930er Jahre, nur das Feindbild hat sich verändert. Nun sind es Linke Netzwerke und vorallem die Islamisten, „Ausleeenda“, Asylanten und andere Minderheiten, gegen denen gehetzt wird.

Nationalismus basiert auf der Lüge, das ein Volk besser ist als andere. Das 20. Jahrhundert zeigt uns eindrucksvoll, was uns das gebracht hat. Die Geschichte wiederholt sich, wir Menschen lernen nicht daraus. Wir werden sehen, wie es weitergeht. Mehr Überwachung, „Ausreisezentren“ und einen vollkommen verrückten Innenminister haben wir jetzt schon. Der nächste Schritt nach der jetzigen Ausgrenzung ist die Abgrenzung, ich lasse hier offen, wie diese geschieht.

Ja, wir müssen etwas tun. Zum Beispiel keine rechtsextremen Parteien wählen, aber auch nicht die ÖVP, die diese Entgleisungen erst möglich gemacht hat und teilweise unterstützt. Bei den Europawahlen setzt Kurz neben den altbekannten und ehrwürdigen Karas auch Edtstadler ein, welche absolut unwählbar ist. Auch wenn ich mit der Ideologie nicht übereinstimme, haben die NEOS ein interessantes Konzept vom Vereinigten Europa, welches ich positiv sehe. Die SPÖ hat nichts interessantes vorgelegt und die FPÖ kocht wie immer die alte braune Suppe wieder warm. Informiert euch, wählt keine Idioten in das Parlament!

Noch haben wir ein Parlament und die Möglichkeit, alles zu verändern.

Frischer Wind im alten Haus

Ich hätte nicht gedacht, dass mein Artikel über das Bundesschülerheim Krems soviel Aufmerksamkeit erregt. Schlussendlich hat mich der Artikel nach langer Zeit wieder in die Direktion in die Kasernstraße 6 gebracht, gemeinsam mit der Schülervertretung, dem Direktor und den Vertreter(-innen) des Erzieherpersonals.

Ich habe den Artikel montagabends aus folgenden Gründen offline genommen:

  • Falsche Tatsachen: Einige Passagen waren sehr überspitzt formuliert und entsprachen nicht ganz der Wahrheit. Der Artikel bedurfte einer dringenden Bearbeitung.
  • Einladung: Ich bekam die Einladung für ein Gespräch mit dem Direktor
  • Pragmatische Gründe: Falls der Boulevard diese Meldung aufgreift, würde die Thematik unsachlich und vielleicht in einem Shitstorm enden

Ob und wann der Artikel in einer editierten Fassung wieder online gehen wird, kann ich nicht sagen.

0. Wind of Change

Ich habe zumindest erwirkt, dass nun viele Sitzungen und Gespräche laufen, um einigen Kritikpunkten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Mit dem Elternverein des BSH laufen Gespräche über die Ausgehzeiten, die Schülervertretung bekommt vielleicht ein fixes monatliches Treffen und viele weitere Bausteine befinden sich in Bewegung.

Auch bei den Mädchen gibt es Korrekturen: Ich sprach mit vielen Mädchen, die vor Jahren im Internat waren. Mittlerweile hat sich der „Erzieherfuhrpark“ verjüngt und die Thematik entschärft.

Doch leider gibt es immer noch Personal, die noch nicht ganz im 21. Jahrhundert angekommen sind und komische Regelungen aufrechterhalten. Hier ermutige ich die Schüler(-innen), sich beim Direktor zu melden. Dieser zeigt selbst Unverständnis für ewiggestrige Ideen.

1. Sensoren

Ganz abhalten lässt sich der Direktor von der Idee mit den Türsensoren nicht, auch wenn meine Kritik (und die von vielen anderen) wohl deutlicher denn je angekommen ist.

Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen, niemand bekommt durch diese Maßnahme mehr Sicherheit, sie ist auch mit den jeweiligen Vorfällen unverhältnismäßig.

Ich wünsche mir, dass diese Idee fallengelassen wird, auch die (Mädchen-)Erzieher sind nicht erfreut gewesen, als sie von der Umsetzung erfuhren.

2. Vorfälle

Ich wurde dafür kritisiert, die Maden- und Wurmgeschichten wieder veröffentlicht zu haben. Trotzdem passierten diese Vorfälle während meiner Internatszeit und sind Teil meiner Erfahrungen. Zu diesen gehören meiner Meinung nach auch alle Ereignisse dazu.

Weiters gab es Kritik wegen dem Wasservorfall, der an der Infrastruktur der Kremser Wasserwerke lag und das BSH absolut nichts dafür kann. Ich habe von dieser Tatsache bis heute nichts gewusst.

3. Ausgehzeiten

Hier zeigt die Direktion Bereitschaft, in Absprache mit den zuständigen Erziehern Ausnahmen der bestehenden Hausordnung zuzulassen. Die bisherigen Grenzen wurden gemeinsam mit dem Elternverein festgelegt und werden jetzt nach meiner Kritik evaluiert.

Man versucht auch das Modell mit den volljährigen Schülern zu überdenken, es ist eine (übliche) Schlüssellösung im Gespräch.

4. Essen

Die Küche soll sich seit dem Einstellen von neuen Köchen verbessert haben. Man wird hier nie eine Lösung für alle finden, am Liebsten hätten wir doch alle jeden Tag Schnitzel.

5. Kommunikation und Schülervertretung

Mein Eindruck während des Gesprächs:

  • Direktor weiß zu wenig von Problemen des Schülers
  • Schüler weiß nichts von gewissen Vorfällen und aktuellen Begebenheiten im BSH
  • Es fehlt an Feedback zwischen Küche und Schüler

Kurz gesagt: ein „einfaches“ Kommunikationsproblem

Die geplanten monatlichen Jour-fixes (so nennt man fixe Gespräche, ein Meeting hat man wegen eines spezifischen Problemes), würden hier sicher viel bringen. So kann man sich gegenseitig am aktuellen Stand halten und vielleicht doch etwas bewegen.

6. Fazit

Ich bin nur zu diesem Gespräch gegangen, da ich mich von meiner konstruktiven Seite zeigen wollte, zur Kritik gehört auch immer ein Vorschlag, es anders zu machen. Ich hoffe, dass sich die Leitung dies als Vorbild nimmt, manche Themen wirklich umzusetzen.

Überwachungsstaat Kasernstraße 6: Meine Erfahrungen im Bundesschülerheim Krems

Es gibt zu diesem Artikel bereits ein Update. Ich unterlasse grobe Änderungen, da dadurch der Stil des Artikels verlorenginge. Einige Dinge wurden bereits eindeutig wiederlegt – Ich bitte Sie selbst, dies im Update nachzulesen.

In den nächsten Punkten erzähle ich von Erfahrungen, Ereignissen und aktuellen Begebenheiten aus dem „Mädchengefängnis“. Vorab: Es ist nichts erfunden, trotzdem können einige Begebenheiten von der Realität abweichen, da die Betrachtungsweise eines jeden Menschen unterschiedlich ist. Ich erzähle aus der Sicht eines ehemaligen Mitglieds und aus Berichten von Freunden und Kollegen. Ich betone ausdrücklich, dass all diese Dinge in meiner Zeit von September 2014 und Juni 2018 passiert sind.

Dieser Artikel ist das Ergebnis von harter und zeitintensiver Recherchearbeit, es gibt unglaublich viele Geschichten und Vorfälle: Hier ein kleiner Auszug davon, was veröffentlicht werden darf

Falls dir auch etwas einfällt oder du selbst auch mal Schüler des BSHs gewesen bist, kannst du ganz unten, auch ohne Registrierung, deinen Senf dazu abgeben.

Ich bitte um eine ausdrückliche Trennung dieser Ereignisse von der anschließenden HTL und HLW. Diese haben mit diesen Vorfällen absolut nichts zu tun.

1. Das Mädchengefängnis

Jedem ist bekannt, das im BSH Mädchen und Burschen unterschiedlich behandelt werden. Während uns Burschen relativ großzügige Freiheiten gewährt wurden, welche auch an unsere tollen Erzieher geknüpft waren, werden Mädchen praktisch eingesperrt. Hier ein paar Einzelheiten:

UPDATE: Wie in der neueren Stellungnahme beschrieben, hat sich hier einiges getan. Man ist hier durchaus bereit, den Schülern mehr Freiraum zu bieten.

1.1 Wie im „Häfn“

Mädchen haben extrem beschränkten „Freigang“. Fortgehen ist einmal die Woche von 20 bis 21:30 Uhr [sic!] erlaubt.

In der täglichen Lernstunde (die für uns Burschen tatsächlich nie existierte) dürfen die Mädchen nicht in ihrem Bett lernen, sondern müssen sich am Schreibtisch befinden (selbst wenn sie nichts zu tun haben). Elektronische Geräte sind nicht erlaubt, auch wenn diese durchaus zu Lernzwecken verwendet werden können.

Selbst beim Nachmittagsausgang gibt es extreme Einschränkungen:

  • Wann?
  • Wohin?!
  • Rückkehrzeitpunkt

Falls dieser überhaupt genehmigt wird, gibt es schon bei der geringsten Verspätung extreme Konsequenzen.

1.2 Willkommen in der Justizanstalt

Im Gegensatz zur Justizanstalt Stein ist der Service, den die Schülerinnen hier bekommen, kostenpflichtig.

Ich bin kein Anwalt, aber diese Maßnahmen, die auch für volljährige Mädchen gelten, sind sehr suspekt. Es gibt bei der Freiheitsentziehung Ausnahmen für Erziehung, aber ob diese Maßnahmen einer Gerichtsverhandlung standhalten?

Die Türen zum Mädchentrakt sind ab 22:00 Uhr nach außen zugesperrt, von innen kann man sie (gezwungenermaßen durch den Brandschutz) öffnen, doch leider wurde diese „Lücke“ ausgenutzt: Die Mädchen konnten sich ja tatsächlich frei bewegen.

Den neuesten Gerüchten zufolge kam es zu einem Vorfall, in dem ein Bursche bei einem Mädchen in der Nacht schlief. In Folge dessen wurde der ganze Mädchentrakt mit Loxone-Türsensoren ausgestattet.

Dieser Sensor piepst bei einer Erzieherin, wenn die Tür durchquert wird

Sobald ein Mädchen nach 22:00 Uhr eine Trakttür (welche ungefähr alle 5 Zimmer platziert sind) durchbricht, piepst es bei einer Erzieherin. Nach der Alarmierung eilen diese sofort zum Verbrechensort und versuchen, diesen rigorosen Rechtsbruch aufzuklären.

Das ist eine unglaubliche Entgleisung der Freiheit, was rechtfertigt diese Maßnahme?

Noch nicht genug: Manche Zimmer liegen unglücklicherweise an einem Vordach, theoretisch kann man hier also den Zwängen des BSH entfliehen. Das ist angeblich auch schon mal passiert, doch rechtfertigt dies nicht eine großzügige Vergitterung dieser Fenster.

Es gab Erzieherinnen, die überprüft haben, ob zur Nachtruhe um 22:00 Uhr wirklich jeder schläft. Weiters brachen Sie einfach ins Zimmer oder gar in das Bad ein. Die Privatssphäre ist im Internat aus Prinzip schon recht eingeschränkt, aber diese Übertretungen sind wahrlich nicht zu dulden.

Ein weiteres Problem sind die Kastenkontrollen: Diese sind das privateste, das ein Internatsschüler besitzt. Ohne Anwesenheit dessen darf der Kasten nicht geöffnet werden. Diese Regelung wurde des öfteren gebrochen.

Mir berichten Mädchen, dass bei Unordnung ihre gesamten Hygieneartikel in den Mistkübel landeten – ein Unding, doch im BSH Krems für das Personal kein Problem.

1.3 Das Strafsystem

Mädchen, die sich weigern, ihr komplettes Leben in den 4 Wänden der Diktatur zu verbringen oder gegen sonstige „Gesetzgebungen“ verstoßen, werden oft verwarnt und landen zufällig auf der „Warteliste“. Diese Personen haben im nächsten Jahr wahrscheinlich keinen Heimplatz mehr. Das wird den Betroffenen möglicherweise erst im Juli mitgeteilt, was natürlich auch toll ist, wenn im September Schulbeginn ist (und eine etwaige Wohnungssuche zu diesem Zeitpunkt bereits recht schwierig wird).

1.4 Besondere Ereignisse

Man hat im BSH die Möglichkeit, sich für gewisse Tage (und Nächte) abzumelden. Sobald die Volljährigkeit erreicht ist (in Österreich dzt. 18 Jahre), kann man sich selbstständig abmelden, vorher mit Einwilligung der Eltern.

Faschingsdienstag, wenn man im BSH festsitzt

Doch dies wird unter Umständen bei den Mädchen zum Beispiel am Faschingsdienstag (größte Faschingsparty in NÖ) auch bei Volljährigkeit abgelehnt. Volljährige Menschen einzusperren ist rechtswidrig. Das Recht folgt dem BSH!

Kleine Zusammenfassung: Als Mädchen darf man im Internat prinzipiell nicht viel. Die meisten Mädchen (wenn sie die finanziellen Mittel haben) flüchten mit spätestens 18 Jahren in eine eigene Wohnung oder pendeln wieder.

2.0 Infrastrukturapokalypse

Mir ist bewusst, dass das BSH nicht unendlichem Geldfluss unterliegt und auch gewisse Maßnahmen (Budget, Staatseinfluss, …) nicht von der Anstalt selbst getragen werden. Also ist dies nicht wirklich als Kritik am Heim, sondern eher an den Sparmaßnahmen des Bundes und des Landes NÖ zu sehen.

Doch macht es mich stutzig, dass Sensoren, die für nichts anderes als das Einsperren der Schüler vorhanden sind, anscheinend mit Leichtigkeit finanziert werden können

2.1 Schimmelprobleme

Das Bundesschülerheim ist in den Immobilien der BIG eingemietet, eine Sammlung von Staatlichen Immobilien die unter Schwarz-Blau I ausgelagert wurden. Dadurch wird hier gespart und optimiert was das Zeug hält.

In Teilen des BSH gab es immer wieder Schimmelvorfälle, ein Bekannter von mir lebte in solch einem Zimmer, er hatte zwar die Möglichkeit Zimmer zu wechseln, doch ist dies unter dem Jahr nervauftreibend und außerdem hätte er meine Nachbarschaft verloren. Die Opfer für das Verbleiben waren hoch, er hatte monatelang kein fließendes Wasser und musste bei mir duschen. Es dauerte Jahre, bis das Schimmelproblem identifiziert und behoben wurde.

Hier sollte sich die BIG schämen, wie sie das denkmalgeschützte Gebäude vernachlässigt. Undichte Fenster, schimmelnde Trakte, dicke Risse durch das ganze Haus, das ist in einem der reichsten Länder der Welt nicht notwendig. Vielleicht sollte man eine Immobiliengesellschaft des Staates nicht kaputtsparen.

2.2 Heizung

Das Haus ist sehr alt, die Fenster alte Doppelgitterfenster. Im Winter ist es kalt und es zieht. In den 4 Jahren, in denen ich dort wohnte, sind einige Decken, Kuschelsocken und Nerven notwendig gewesen. Um Punkt 22:00 wurde die Heizung abgeschaltet, egal wie kalt oder warm es draußen war. Genauso mit dem Warmwasser, besonders Donnerstagabend: Wenn man Pech hatte konnte man nicht mehr warm duschen.

Am Wochenende läuft natürlich auch keine Heizung, falls man schulisch gezwungen ist, im Internat zu bleiben (Tag der offenen Tür), darf man kalt duschen und sich den Rausch ausfrieren 😉

2.3 Wasser

Foto eines frustrierten Schülers, der seine Trinkflasche nicht auffüllen konnte

Nach den Ferien sind im Warmwasser manchmal „Rostrückstände“ vorhanden, auch hier sollte man besser nicht duschen oder dieses Wasser gar trinken. Immer wieder spritzen auch während des Schuljahrs „rote Fontänen“ aus den Duschköpfen raus.

UPDATE: Dieses Problem entstand in den Kremser Wasserwerken, nicht im BSH.

2.4 Internet

Gleich zu Beginn meiner Schullaufbahn an der HTL Krems hatte ich von September bis November kein Internet. Wir benutzen das Internet nicht nur zum Streamen von Filmen und Musik, sondern auch für Hausübungen und Lernzwecke. Auch die Jahre danach zwang uns die furchtbare Performance zum Ausweichen auf LTE, natürlich auf unsere Kosten.

Auch hier versprach der Direktor lange Verbesserungen, die in meiner Zeit nie vollzogen wurden.

Ich hatte mit ein paar Freunden im Internat ein Konzept erarbeitet, welches eine komplette Neuverkabelung und Neuaufbau der Netzwerkinfrastruktur beinhaltete. Wir hatten ein Meeting, in dem uns viel versprochen wurde. Wir hätten dieses Projekt kostenlos in unserer Freizeit durchgeführt, trotzdem wurden wir schlussendlich abgelehnt.

Folgende Probleme hatte das Netzwerk:

  • Authentifizierung mit Sozialversicherungsnummer und Namen -> Nicht änderbar
  • Uralte Software, hunderte Sicherheitslücken
  • Abstürze, Performanceeinbrüche
  • Alte Hardware

Der bisherige Dienstleister wurde beibehalten, bis es im September 2018 zu einem Crash kam. Über 3 Monate hatten die Schüler kein Internet.

Hier gibt es einiges an Chaos in den staatlichen Gebäuden: Während die HTL und angeblich auch die HLW/HLM (im selben Gebäude!) einen Glasfaseranschluss haben, war dies für das BSH nicht möglich. Klares Versagen von Vater Staat, der oft von Digitalisierung spricht, aber in Wahrheit nicht einmal schafft, die eigenen Anstalten gscheit anzubinden.

Mittlerweile wurde der Dienstleister gewechselt und die Performance soll sich gebessert haben.

2.5 Lärmschutz, Türalarme, …

Noch bevor es die Alarme im Mädchentrakt gab, gab es diese bei den Übergängen in die HTL und bei den Notausgängen. Bei einem Durchgang außerhalb der Öffnungszeiten ertönt ein ohrenbetäubendes Piepsen, welches erst durch Eingreifen eines Erziehers unterbrochen werden kann.

Diese vollkommene sinnlose Maßnahme ärgert nur die Schüler, die neben diesen Türen wohnen und verhindert keinen einzigen Ein/Ausbruch. Besonders nervenaufreibend ist dies vor allem in der Nacht – die anwohnenden Schüler werden durch diese Lärmbelästigung geweckt und müssen diese dann oft über mehr als 5 Minuten hinweg ertragen – bis endlich ein Erzieher aufsteht und den Alarm wieder deaktiviert (Diejenigen, die ihn ausgelöst haben, sind bis zu diesem Zeitpunkt bereits über alle Berge…). Wobei es hier auch stellenweise notwendig war, den Vorfall erst einmal mühsam bei einem Erzieher zu melden, damit überhaupt jemand tätig wird. In Folge der Beschwerden wurden dann die Notausgänge zugesperrt. Stell ich mir bei einem Feuer nicht so toll vor.

Im Laufe der Zeit wurden Lärmschutzwände im Speisesaal montiert, die Aussahen wie schwebende Ufos und laut Direktor Böhm sehr teuer waren. Niemand hatte nach diesen gefragt, noch war die Lautstärke einem Schüler zu hoch.

3.0 Das leidige Essensthema

In meiner Laufzeit im BSH wurden über 3 Essensumfragen durchgeführt. Gebessert hat sich bis heute nicht viel, viele Schüler sind vom örtlichen Pizzaservice oder vom Billa in der Utzstraße abhängig. Und nein, das liegt nicht an meinem Geschmack, manche „Gerichte“ waren und sind ungenießbar.

Abwechslungsreiche Küche im BSH

Die Küche ist ziemlich kreativ in der Namensgebung: Egal ob Kalte Platte, X’unde[sic!] Jausn, Wurstaufschnitt, Kalter Schweinsbraten und Käseplatte oder Hascheefleckerl, Schinkenfleckerl, Fleischfleckerl und Nudeln mit Schinken, diese Gerichte unterscheiden sich nur im Namen.

Es gab auch immer wieder Gerichte mit dem Namen „Tiroler mit Butter“. Also ich weiß nicht ob ein Tiroler besser schmeckt als ein Steirer, aber generell bin ich dagegen, Menschen zu essen.

Wie überall im Leben gab es Höhen und Tiefen, aber durchwegs als „Gut“ konnte man die Küche nicht bezeichnen. Besonders ab April 2018 verschlechterte sich der Zustand zunehmend und ich war nicht mehr bereit, 380€ im Monat für diese Leistung auszugeben.

UPDATE: Mittlerweile sind 3 Köche im BSH tätig und aktuelle Schüler sprechen von einer spürbaren Verbesserung. Das ist natürlich zu begrüßen.

3.1 Bear Grylls für Arme: Vorfälle im BSH

Vorweg, es gibt gewisse Gerüchte über Kleintiere und andere Zwischenfälle. Ob diese nun passiert sind, vom Schüler verursacht wurden oder wie auch immer: Wir geben hier nicht dem BSH eine kollektive Schuld. Fehler passieren und diese Fälle sind sehr selten. Trotzdem sind diese dokumentiert und nicht ganz so leiwaund…

Auch weitere Kleintiere hatten es sich im BSH gemütlich gemacht, immerhin spricht nichts gegen zusätzliche Proteine:

Auch Ameisen verirren sich manchmal in die Küche
Selbst der Tausendfüßer flieht vor diesem Dressing

4.0 Meine Zeit als Internatssprecher

In meiner Zeit als Internatssprecher(-stellvertreter) lernte ich das Bundesschülerheim von innen kennen. Es gab in meiner Zeit nur zwei öffentliche Sitzungen, die Protokolle verfasste ich. Folgende Zitate fand ich besonders amüsant:

Wir haben Außensensoren, wir haben Innensensoren und noch denen wiad ghazt!

Mag. Johann Böhm – In den Zimmern ist es eiskalt

Wenn i siach wia es Burschen do mit kurze Leibaln do sitzen, brauch i ned ehazn

Mag. Johann Böhm – Im Seminarraum (wärmster Raum im BSH wegen dem darunterliegenden Heizraum) ist es zugegeben warm, daher ziehen wir unsere Pullis aus

I hob letztens zwa dawischt, wias hamkema san, schauts i hob a Foto gmocht.

Mag. Johann Böhm – Erkennt zwei Burschen wieder, die nach einer langen Nacht wieder ins BSH „einbrechen“ wollten

Schüler: Meiner Meinung nach …

Böhm: Dei Meinung is mia wuascht!

Mag. Johann Böhm – Auf Kritik wird angemessen reagiert

Der Direktor hat allgemeinen Zugriff auf alle Internatszimmer und schaut hin und wieder, ob niemand einen Kühlschrank, Heizstrahler oder (Gott bewahre!) einen WLAN-Router angesteckt hat. Ob das tatsächlich er war, lässt sich nicht belegen.

Tatsächlich hatte ich einmal die Zimmertüre offen gelassen und er kassierte schlussendlich mein Handy ein. Ich durfte es mir in der Direktion abholen mit einem Vortrag über Diebstähle im BSH.

Die Angst gegen Diebstahl ist natürlich gerechtfertigt, tatsächlich ist in den vier Jahren bei offener Tür nichts gestohlen worden.

Die letzten zwei Internatssprecher sind mit viel Elan in das Amt getreten, haben aber bereits während des Jahres aufgegeben. Kein Internatssprecher konnte irgendetwas verändern, man traf immer auf härtesten Widerstand.

Der größte Erfolg meines Jahres war die Erlaubnis von Kaffeemaschinen und Wasserkochern in den Zimmern. Das ist für die vielen investierten Stunden einfach zu wenig.

4.1 Führungskultur und Auffälligkeiten

Auch in der Belegschaft ist Böhm nicht besonders beliebt. Gewisse Erzieher arbeiten hart daran, die Restriktionen von Herrn Böhm zu umgehen und zumindest ihren Schützlingen ein halbwegs angenehmes Leben zu ermöglichen.

Über andere Meinungen wird tendenziell eher „drübergfoan“, anstatt miteinander zu diskutieren, die Zustände bei den Mädchen wird auf den ErzieherInnen abgewälzt, während diese die Schuld auf die Leitung schieben.

Ich bin ich eher der Meinung, dass einzelne ErzieherInnen für den Zustand verantwortlich sind, da sie ihre Mädchen „beschützen“ wollen. Ich stelle mir da immer die Frage:

Meine Damen und Herren, wollen Sie volljährige Mädchen beschützen? Vor was? Außenwelt? Bösen Penissen?

4.2 Weitere Einzelheiten

Beim HTL-Ball darf man für 25€ im Bundesschülerheim übernachten. Inkludierte Leistungen:

  • Kaltes Wasser
  • Keine Heizung
  • Altes Brot, vielleicht ein paar Semmeln der Vorwoche, Schinken und Käse sowie 2017 auch kalte Fleischlaibchen

UPDATE: Mittlerweile hat sich in dieser Hinsicht einiges getan, das ist der aktuelle Wisch, den einem vorgelegt wird, wenn man in der Ballnacht im BSH übernachten will:

Anscheinend wird Kritik doch nicht völlig ignoriert: Nun darf man kostenlos die Ballnacht im Bundesschülerheim verbringen.

Leider steht wie jedes Jahr wieder einiges in der Vereinbarung, das man ignorieren kann:

auch bei Volljährigkeit des Schülers vom Erziehungsberechtigten unterzeichnen

Es gibt ab 18 Jahren keine Erziehungsberechtigte mehr. Mein Vater muss beim Abschluss eines Handyvertrags auch nicht meinen Opa fragen.

Können die Verursacher nicht gefunden werden, werden alle Anwesenden in der Ballnacht zur Verantwortung gezogen

Cool – Kollektivbestrafung bringt ganz sicher was!

Schüler, die alkoholisiert ins Bundesschülerheim zurückkehren (…)

Ich kenne niemanden, der beim HTL Ball etwas getrunken hat, deswegen ist diese Regelung auch echt sinnvoll.

5.0 Fazit

I wü nimmer hin.

– Bernhard Steindl

Was darf ein Bundesschülerheim? Nicht jeder hat die finanzielle Unterstützung, um vom Internat zu fliehen, falls einem die Regeln nicht passen. Es ist eine Bundeseinrichtung und demnach ist es nicht dazu da, unnötigerweise die Freiheit einzuschränken und volljährige Personen zu „frotzeln“.

Auch wenn das Internat eine Erfahrung war, die ich nicht mehr missen will, möchte ich nicht mehr zurück. Mit über 18 Jahren sehnt man sich nach Freiheit, die es zumindest in diesem Internat nicht gibt.

Ja, es gibt eine Hausordnung und die meisten Punkte darin sind sinnvoll. Doch das hier ist ein Bundesschülerheim und es stellt den Anspruch, Personen die nicht in der Umgebung wohnen, kostengünstig und bestmöglich unterzubringen, da hier die Wirtschaft keine Alternative bietet. Niemand redet hier von Überwachung, Ignoranz und Inkompetenz in vielen Bereichen.

Es gibt für viele Personen keine Alternative zum Bundesschülerheim. Ein paar Anpassungen, die vollkommen kostenlos sind, würden das Leben für viele Menschen, die monatlich viel Geld dafür zahlen (~380€ + Taschengeld), sehr erleichtern:

Allgemeine Maßnahmen:

  • Abklären von Freiheiten mit Eltern bei der Anmeldung
  • Nachmittagsausgang: Hier gibt es keine Diskussion darüber, wie lange ein Jugendlicher raus darf. Hier gilt absolute Freiheit!
  • Solange die Noten passen, keine verpflichtenden Studierstunden
  • Die Absperrungen im Internat von gewissen Bereichen und Überwachungsmaßnahmen unterlassen
  • Küchenkonzept überdenken: Warum darf man sich nicht vom Essen abmelden? (Auch wenn dies rechtlich dzt. nicht möglich ist, ist es nicht unmöglich)
  • Kühlschränke erlauben
  • Hausordnung anpassen (z.b. Kein Verbot von WLAN-Router, …)
  • Internat nicht wie ein Gefängnis führen: Mädchen/Burschen müssen nicht getrennt werden etc.
  • Mädchen nicht vor „Gefahren“ schützen, die nicht da sind

Für Personen über 18:

  • Keine Frotzeleien mehr für Eigenberechtigte: Es sollte klare Regeln geben, die Verantwortung obliegt dann beim Eigenberechtigten

Diese Maßnahmen basieren auf klarem Menschenverstand, werden aber von allen Beteiligten getrost ignoriert. Wenn man ein Internat absolutistisch führt und über die Meinung der Schüler „drüberfoat“, braucht man sich nicht wundern, wenn sich Menschen dagegen auflehnen. Dieser Artikel ist dazu da, die Zustände aus der Sicht eines (ehemals) Betroffenen sachlich zu kritisieren und aufzuzeigen.

Ich weise nochmals ausdrücklich auf den neuen Artikel hin, der die Veränderungen seit diesem Artikel beschreibt.