Es stinkt

Ein Tag, an dem ein Politiker bei Armin Wolf schwitzt, ist ein guter Tag. Das Nehammer-Interview in der ZiB2 (siehe unten) ist ein interessanter Versuch, hier etwas zu vertuschen, was absolut nicht in Ordnung ist.

Hier braucht jemand einen Schwimmkurs

Folgende Darstellung versucht die ÖVP also zu verkaufen:

  • Mitarbeiter bekommt OK, Festplatten von Drucker auszubauen
  • Mitarbeiter geht privat! zu Reisswolf, um die Festplatten zu schreddern
  • Er ist leider erst 25 und deshalb kann das mal passieren, mit falscher E-Mail und Namen vorstellig zu werden
  • Lässt 3x schreddern
  • Nimmt Staub mit nach Hause

Das glaubt doch kein Mensch!

Mich schockiert vor allem, dass hier versucht wird, die Beamten im BKA dafür verantwortlich zu machen und der IT-Abteilungsleiter soll ein absoluter Vollidiot sein? Wenn es wirklich so war, gäbe es keinen Grund, die Festplatten nicht bei den routinemäßigen Entsorgungen mitzugeben.

Abgesehen davon, dass sich die ÖVP hier an Staatseigentum vergreift und bis heute noch nicht erklärt hat, was hier für „sensible“ Dinge gespeichert waren, ist das absoluter Wahnsinn.

Gehen wir mal die Fakten durch:

  • Mitarbeiter bringt 5 Festplatten zum Schreddern und nimmt Staub mit Hause
  • Die Festplatten werden laut Seriennummern in vielen verschiedenen Geräten verbaut gewesen sein, laut Florian Klenk auch in Toshiba-Notebooks
  • Nur die ÖVP behauptet, dass diese in Drucker waren
  • Die ÖVP erklärt zuerst, dass es nur eine war, dann nach Veröffentlichung des Falters waren es fünf
  • Klenk informiert bei den Recherchen den Mitarbeiter -> einen Tag später veröffentlicht der Kurier die Geschichte

Man sollte nebenbei auch nicht vergessen, dass der ehemalige Kurier-Chefredakteur von der ÖVP-nahen Martina Salomon abgelöst wurde. Vermutungen liegen nahe, das hier die Flucht nach vorne eingetreten ist und deshalb die Story vor dem Falter im Kurier veröffentlicht wurde. Brandstätter hat auch kürzlich ein Buch veröffentlicht, bei dem es um die Eingriffe von der Social-Media-Abteilung des Kanzleramtes bei der Berichterstattung geht.

Man sieht beim obigen Interview, wie Nehammer in Angesicht der Fakten zittert …

Eine Theorie

Am 16. Juni veranstaltete die ÖVP eine hastige Pressekonferenz, bei der es um E-Mails aus dem Februar 2018 geht.

Laut dieser E-Mails zwischen Sebastian Kurz und Gernot Blümel, wusste Sebastian Kurz schon im Februar 2018 vom Ibiza-Video.

Nun, besonders interessant ist das (von der ÖVP bezahlte) Gutachten, auf dem sich die ÖVP bezieht. Dieses ist nämlich absolut nutzlos, da hier vermeintliche Screenshots (!) von E-Mails untersucht wurden. Nun bekritelt das Gutachten folgende Punkte, wegen dem die E-Mails auf keinen Fall echt sein könnten:

  • Der 27.2. war kein Montag, sondern ein Dienstag, die Zeit wird mit . statt : getrennt und der Server läuft mit Pacific Time
    • Die Zeitzone eines Servers ist irrelevant, die . als Zeittrennung ist kein Ausscheidungsgrund
  • Laut ÖVP unterstützte ihr Server zu dem Zeitpunkt noch kein TLS 1.2
    • Die ÖVP sagt … Kein Techniker hatte Zugriff auf den Server, da er seit 23.Mai (Tag des Schredderns) offline ist
  • Die IP-Adresse 92.51.182.1 ist derzeit auf hosteurope.de zugelassen
    • Da der Server nicht mehr läuft, ist klar dass die IP mittlerweile nicht mehr der ÖVP gehört (falls sie überhaupt der ÖVP gehörte), es ist nicht üblich das die IP von gemieteten Servern den Eigentümer wechselt. Hosteurope ist der Hoster der ÖVP …

Also in Wahrheit beweist dieses Gutachten garnichts, da niemand Zugriff auf die Postfächer und Server bekam und die Parameter abchecken konnte. Die Veröffentlicher haben laut eigenen Aussagen noch über 2000 E-Mails und weitere Belege, dass diese E-Mails echt sind.

Interessant ist auch, dass das Unternehmen, welche das Gutachten erstellte, eine Steuerberatung ist und diese seit Jahren von der ÖVP beauftragt wird. Der Chef dieser Firma war bei den Koalitionsverhandlungen zwischen der ÖVP und FPÖ dabei.

Ein weiterer Indiz ist, dass die ÖVP schon im Frühjahr großflächig Plakatflächen im ganzen Land buchte, gut informierte Kreise gingen schon im April ziemlich sicher von Neuwahlen aus. Das ist insofern interessant, das dies genau so eintrat und die ÖVP eine Woche nach den EU-Wahlen bereits großflächig Plakate hatte, die Kampagne war auch bereits fertig, sehr seltsam. (https://www.derstandard.at/story/2000101028036/gut-informierte-kreise-bzoe-glaubt-an-neuwahlen-im-herbst)

Falls die E-Mails echt sind, ist der Wahlkampf wohl gelaufen, wer soll denen noch irgendwas glauben? Abwarten heißt es, es wird schon noch mehr veröffentlicht werden …

Quellen

Addendum – Koalitionsverhandlungen ÖVP & FPÖ

Neuwahlen im Herbst – April 2019

Der Standard – Gefälschte E-Mails

Gutachten der ÖVP zu den E-Mails

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